Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher
Demjanjuk vorerst doch nicht ausgeliefert

Die Auslieferung des mutmaßlichen NS- Kriegsverbrechers John Demjanjuk nach Deutschland ist am Dienstag im letzten Augenblick gestoppt worden. Das US-Berufungsgericht in Cincinnati (US-Bundesstaat Ohio) gab am Dienstagnachmittag (Ortszeit) dem Gesuch des 89-Jährigen statt.

HB WASHINGTON/MÜNCHEN. Dieser hatte mit Verweis auf seinen angeschlagenen Gesundheitszustand gegen eine Abschiebung Einspruch erhoben.

Stunden zuvor hatten sechs Beamte der US-Einwanderungsbehörden den Exil-Ukrainer in seinem Haus in Seven Hills bei Cleveland (Ohio) festgenommen und mitgenommen. Ziel war der regionale Flughafen Burke Lakefront, von wo der ehemalige KZ-Aufseher nach New York geflogen werden sollte. Für den Abend war der Weiterflug nach München vorgesehen. Der 89-Jährige wurde mit einem Rollstuhl zu dem Wagen der US-Immigrationsbehörden gebracht. Auch der Münchnerer Verteidiger des Staatenlosen war am Dienstag noch davon ausgegangen, dass sein Mandant am Mittwoch in der bayerischen Landeshauptstadt eintreffen werde.

Ein Berufungsgerichts im US-Bundesstaat Virginia hatte vergangene Woche entschieden, dass Demjanjuk nach Deutschland abgeschoben werden kann. Das Amtsgericht München hatte im März Haftbefehl gegen den gebürtigen Ukrainer erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Zweiten Weltkrieg als Wachmann im Nazi-Vernichtungslager Sobibor im von Deutschen besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Juden geleistet zu haben.

Das Ringen um die Abschiebung Demjanjuks aus den USA nach Deutschland dauert seit Wochen an. Das US-Justizministerium hatte das Gericht in Virginia angerufen, den Antrag Demjanjuks auf Verlängerung des Abschiebestopps zurückzuweisen. In dem Antrag hatten die Anwälte einen schlechten Gesundheitszustand des 89-Jährigen geltend gemacht.

Demjanjuk war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Flüchtlingslager bei München untergetaucht und 1952 in die USA ausgewandert. Als seine Mitwirkung am Holocaust Ende der 70er Jahre bekanntwurde, lieferten ihn die USA 1986 an Israel aus. Dort wurde er wegen seiner angeblichen Tätigkeit als grausamer Wachmann „Iwan der Schreckliche“ im Vernichtungslager Treblinka angeklagt und zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof Israels sprach Demjanjuk aber 1993 frei, da seine Identität nicht einwandfrei geklärt werden konnte.

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