„My friend Cayla“: Behörde verbietet spionagetaugliche Puppe - Firma wehrt sich

„My friend Cayla“
Behörde verbietet spionagetaugliche Puppe - Firma wehrt sich

Die Nutzung von Spielzeug aus dem Mobil- oder Computerbereich ist nicht ohne Risiko. Die Bundesnetzagentur hat jetzt eine Puppe als Spionagegerät eingestuft und verboten. Die Firma ist empört - und zieht vor Gericht.
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BerlinDie Bundesnetzagentur hat ein Verkaufsverbot gegen die von der hessischen Firma Vivid vertriebene Spielzeugpuppe „My friend Cayla“ verhängt. Aufgrund von Erkenntnissen europäischer Verbraucherschützer sei man auf das interaktive Spielzeug „als verbotenes Spionagegerät“ aufmerksam geworden, sagte der Sprecher der Behörde, Olaf Peter Eul, dem Handelsblatt. Die Bundesnetzagentur gehe gegen solche „versteckte, sendefähige Anlagen im Kinderzimmer“ vor.

„Spielzeug, das funkfähig und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet ist, ist verboten“, betonte Eul. Dies sei in Paragraf 90 des Telekommunikationsgesetz (TKG) so geregelt. „Die Puppe Cayla fällt nach unseren Prüfungen unter das TKG.“ Diese Regelung betrifft demnach sowohl Hersteller, Verkäufer und Käufer von Spielzeugen, die als Sendeanlagen eingestuft werden.

Von der Firma Vivid war auf Nachfrage des Handelsblatts zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Am Abend reagierte das Unternehmen und wie in einer Pressemitteilung die Vorwürfe zurück. Die Puppe verstoße "in keiner Weise" gegen das Telekommunikationsgesetz. Es gebe daher auch keinen Anlass, "Cayla zu zerstören oder die Puppe wegzugeben". "Sie ist kein „Spionagegerät“ und kann im Einklang mit der Gebrauchsanleitung in jeder Hinsicht sicher benutzt werden."

Die Auffassung der Bundesnetzagentur sei "nicht haltbar", betonte die Firma. Ein Verbot des Verkaufs von "My Friend Cayla" entbehre jeder rechtlichen Grundlage. Vivid will nun die Einwände der Behörde gerichtlich prüfen lassen.

Auf der Internetseite von „My friend Cayla“ wird derzeit noch für die gleichnamige Puppe geworben. Über ein mit Bluetooth gekoppeltes Smartphone, auf dem eine zugehörige App läuft, ist „Cayla“ mit dem weltweiten Netz verbunden. Gesprächspartner können ihr Fragen stellen und mit ihr reden. Dank bluetoothfähigem Mikrofon und Lautsprecher antwortet die Puppe mit Informationen aus dem Internet. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels zeichnete sie 2014 als „Top 10 Spielzeug des Jahres“ aus. Bei Verbraucherschützern ist „My friend Cayla“ wegen Sicherheitslücken und Datenschutzfragen schon seit längerem umstritten.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller fordert ein generelles Verbot solcher internetfähiger Puppen. „Sprechende Puppen können Kindern sicher Spaß bringen – doch bitte nicht um jeden Preis“, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) dem Handelsblatt. „Wenn Puppen Kinder und ihre Eltern bespitzeln, ist das eine Verletzung der Privatsphäre. Solche Produkte gehören grundsätzlich vom Markt.“

Die Bundesnetzagentur warnt, dass gerade vom Spielzeug als Spionagegerät Gefahren ausgingen. „Ohne Kenntnis der Eltern können die Gespräche des Kindes und anderer Personen aufgenommen und weitergeleitet werden“, sagte Behörden-Sprecher Eul dem Handelsblatt. „Über das Spielzeug könnte ein Unternehmen dann das Kind oder die Eltern individuell mit Werbung ansprechen.“ Zudem, so der Sprecher weiter, könne ein Spielzeug, wenn die Funkverbindung wie Bluetooth vom Hersteller nicht ausreichend geschützt werde, „von in der Nähe befindlichen Dritten unbemerkt genutzt werden, um Gespräche abzuhören“.

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  • Meine Puppe würde Erika heißen

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