Nach 24-Stunden-Streiks Metall-Tarifparteien steuern auf Lösung zu

Der Metall-Tarifvertrag könnte noch heute stehen. Auch bei der umstrittenen Arbeitszeitverkürzung gibt es offenbar eine mögliche Einigung.
Update: 05.02.2018 - 13:58 Uhr 2 Kommentare
IG Metall: Tarifvertrag könnte noch heute stehen Quelle: dpa
24-Stunden-Warnstreik der IG Metall

Um Druck für ihre Forderungen zu machen, hatte die IG Metall vergangene Woche erstmals zu ganztägigen Streiks aufgerufen.

(Foto: dpa)

StuttgartIm Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie streben die Verhandlungspartner im Pilotbezirk Baden-Württemberg nach mehreren Wochen bundesweiter Warnstreiks einen Abschluss an. Die Verhandlungsführer von IG Metall und Arbeitgeberverband Südwestmetall erklärten in Stuttgart, jede Seite habe der anderen mittlerweile Signale zu ernsthaftem Einigungswillen gegeben, sodass eine Einigung am Montag möglich sei. „Wir erwarten von der Arbeitgeberseite hier, dass wir tatsächlich auch die großen Sprünge machen, die erforderlich sind, um zu einem guten Ergebnis zu kommen“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger.

Eine weitere Eskalation des Tarifkonflikts solle vermieden werden. Kürzere Arbeitszeiten für einzelne Beschäftigte seien nur möglich, wenn andere Mitarbeiter zum Ausgleich über die 35-Stunden-Woche hinausgehen könnten, erklärte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. „Wir sind dazu bereit, auch das ein oder andere Zugeständnis zu machen“, ergänzte er.

Die seit November laufenden Verhandlungen gehen damit schon in die sechste Runde. Die IG Metall fordert für die knapp 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche sechs Prozent mehr Lohn über zwölf Monate und ein individuelles Recht auf Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeitgeber bezifferten ihr Angebot auf ein Volumen von 6,8 Prozent über 27 Monate Laufzeit. Die letzte Verhandlungsrunde war Ende Januar abgebrochen worden.

In Verhandlungskreisen hieß es, es gebe grundsätzliche Einigkeit über ein neues Arbeitszeitmodell. Dieses ermögliche Beschäftigten einerseits einen Anspruch auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Die IG Metall akzeptiere es andererseits, dass die Unternehmen dann die wegfallende Arbeitszeit durch einen höheren Anteil von Beschäftigten mit einer 40- statt 35-Stundenwoche ausgleichen können. Auch über eine lange Laufzeit von 27 Monaten mit Erhöhungen in zwei Stufen gebe es weitgehend Einigkeit. Diese hängt noch davon ab, ob ein Kompromiss mit Sonderregeln für Arbeitszeitverkürzung zur Pflege von Angehörigen, Betreuung von Kindern und bei Schichtarbeit zustande kommt.

Auf dem Tisch lag dazu ein Modell, nach dem das Urlaubsgeld für alle erhöht würde. Die belasteten Beschäftigtengruppen hätten ein Wahlrecht, anstelle des Urlaubsgelds Freizeit zu nehmen. Dabei war noch umstritten, ob es hier darüber hinaus einen von der IG Metall geforderten Freizeitbonus gibt. Die Arbeitgeber lehnen das ab, weil sie keinen Anreiz zum Verkürzen schaffen wollen. Umstritten ist auch noch, ob alle Schichtarbeiter die Wahlmöglichkeit bekommen sollen oder nur ältere, stark belastete.

Um Druck für ihre Forderungen zu machen, hatte die IG Metall vergangene Woche erstmals zu ganztägigen Streiks statt nur stundenweisen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Eine halbe Million Beschäftigte in knapp 280 Betrieben beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft. Und das, obwohl die Arbeitgeber dann einen Tag Lohn abziehen, den nur die IG-Metall-Mitglieder aus der Streikkasse von der Gewerkschaft ersetzt bekommen.

Die 24-Stunden-Streiks hätten der IG Metall nochmals Rückenwind für die Verhandlungen gegeben, sagte Zitzelsberger. Die Aktionen hätten den Unternehmen geschadet, kritisierte Wolf. Das IW Köln beziffert den Schaden aus den Streiks 771 bis 895 Millionen Euro, wie sein Tarifexperte Hagen Lesch am Montag berichtete.

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2 Kommentare zu "Nach 24-Stunden-Streiks: Metall-Tarifparteien steuern auf Lösung zu"

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  • @Herr Karl-Heinz Weiss
    05.02.2018, 15:15 Uhr

    „Die Metaller agieren höchst egoistisch und öffnen damit die Schere der Ungleichbehandlung weiter.“

    Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir doch zugeben, dass unser heutiges Wirtschaftssystem jeden dazu animiert, ohne Rücksicht auf andere für sich "rauszuholen", was er kriegen kann.

    Die Ursachen des - in der Tat dringend zu lösenden - Problems der ungleichen Chancen liegen also nicht bei einzelnen Akteuren (in diesem Fall den Metallern), sondern sind systemimmanent.

  • Diese Tarifverhandlungen sind das völlig falsche Zeichen zur völlig falschen Zeit! Ja, die Wirtschaft brummt und die Aktionäre machen ihre Traum Marchen. Da will verständlicherweise auch der "Kleine Mann" - mit Unterstützung der Gewerkschaften was davon ab haben. Leider bekommen trotz der gewwerkschaftlichen Unterstützung nicht alle "Kleinen" was vom Kuchen. Was beispielsweise passiert bei den Menschen die nicht im produktiven Umfeld, sondern im sozialen Umfeld arbeiten? KiGa, Pflege, Krankenhäuser, Sozialarbeit,...? Genau diese Mitbürger können weiterhin nur davon träumen einmal soviel Brutto zu erreichen wie die Metaller aktuell an Rente + Betriebsrente nach Hause mitnehmen! Die Metaller agieren höchst egoistisch und öffnen damit die Schere der Ungleichbehandlung weiter. Diese Schere schnappt irgendwann zu.

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