Nach Affären
Merkel ermahnt die Manager

Rüffel für die Manager: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat anlässlich einer Feierstunde zum 60. Jubiläum der Sozialen Marktwirtschaft die Führungsspitze der deutschen Konzerne aufgerufen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Doch das war die einzige Botschaft der Kanzlerin.

HB BERLIN. Nach den Affären bei Siemens, Lidl und Telekom hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Deutschlands Manager-Elite eindringlich an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnert. Jeder verantwortungslose Manager gefährde die Grundlagen der Gesellschaft. "Achten Sie darauf, dass auch an der Spitze die Spielregeln des Gemeinwesens eingehalten werden.

Sehen Sie sich auf die Finger", richtete Merkel bei einem Festakt zum 60-jährigen Bestehen der sozialen Marktwirtschaft in Berlin einen Appell an die Unternehmen. Als Vorbild nannte die Kanzlerin unter anderem den früheren Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der auf eine Abfindung verzichtet hatte.

Merkel fordert „Bildungsrepublik Deutschland“

Zudem kündigte die Kanzlerin an, Bildungspolitik zur Chefsache zu machen und unter dem Motto "Bildung für alle" mehr Menschen den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. "Ich selbst werde mich auch ganz persönlich dieser Sache annehmen, unter anderem mit einer Bildungsreise durch die Bildungsrepublik Deutschland."

Im Oktober werde es ein Spitzentreffen mit den Ländern geben, die für die Bildungspolitik zuständig sind. Die Bürger interessierten sich nicht für Zuständigkeiten. "Sie erwarten, dass die Verantwortlichen gemeinsam dazu beitragen, dass unser Bildungssystem jedem die Chance auf Einstieg und Aufstieg ermöglicht. Und genau diese Erwartung will ich erfüllen."

„Wohlstand für alle heißt heute und morgen: Bildung für alle“, sagte die Kanzlerin und äußerte sich damit auch unmittelbar vor Vorlage des zweiten nationalen Bildungsberichts durch die Kultusminister der Länder am Nachmittag zum Thema. In ihrem Bericht kommen die Länder nach einem Zeitungsbericht zu dem Ergebnis, dass die Bildungsausgaben in Deutschland deutlich langsamer wachsen als die Wirtschaftskraft.

Während Mitte der 90er Jahre noch 6,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Bildung geflossen seien, habe der Staat 2006 nur noch 6,2 Prozent dafür ausgegeben, berichtete das „Handelsblatt“. Im internationalen Vergleich liege Deutschland damit unter dem OECD-Schnitt. Vor allem bei den allgemeinbildenden Schulen seien die Ausgaben zurückgegangen. Dadurch sei es auch immer schwieriger, schwache Jugendliche durch Berufsausbildung zu integrieren, weil Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss nur noch mit Mühe den Sprung in den Beruf schafften.

Wegen dieser Entwicklung schlug der Handwerksverband ZDH Alarm. Die Qualifikation der Schulabgänger sei erschreckend gering. Jeder vierte Jugendliche eines Jahrgangs sei nicht ausbildungsfähig, acht bis neun Prozent verließen die Schule ohne Abschluss. ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer forderte daher einen Bildungsgipfel unter Beteiligung der Kanzlerin, der Länder und der Unternehmensverbände. „Nur so bekommen wir diese dramatische Lage in den Griff“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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