Nach Amoklauf
„Alkoholverkauf bei WM einschränken“

Bei dem Amoklauf eines 16-Jährigen in Berlin sind mehr Menschen verletzt worden als zunächst angenommen. Von 35 ist jetzt die Rede. Eines der Opfer soll mit HIV infiziert sein. Die Angst geht um, dass sich andere durch den Messerkontakt angesteckt haben könnten. Auch die Politik ist alarmiert – und erwägt schärfere Alkoholkontrollen während der WM.

HB BERLIN. Bis Sonntagnachmittag stieg die Zahl der Messerattacke von Freitagnacht in Berlin auf 35, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, berichtete. Mehrere Leichtverletzte hätten sich nach einer Aids-Warnung der Polizei noch nachträglich gemeldet. Der Sprecher schloss nicht aus, dass noch weitere hinzukommen.

Nachdem bekannt wurde, dass eines der ersten Opfer HIV-infiziert und eine Ansteckung durch die blutige Tatwaffe nicht völlig ausgeschlossen ist, waren alle Verletzten und Erste-Hilfe-Leistenden aufgerufen worden, sich zu melden. Zu den Universitätskliniken kamen bislang 56 Betroffene, wie Charité-Sprecherin Kerstin Endele berichtete. 28 von ihnen erhielten vorsorglich Medikamente zur Verringerung des Infektionsrisikos. Bei den anderen habe sich das in Beratungsgesprächen als unnötig erwiesen.

Die Ansteckungsgefahr ist Experten zufolge nicht groß. Tests des Infizierten hätten zudem ergeben, dass die Konzentration des HI-Virus bei ihm nur gering sei, berichtete Endele weiter. Dies verkleinere das Risiko weiter. Die Betroffenen seien dennoch verunsichert und nervös. Sie würden aber psychologisch betreut, und die Ärzte seien bemüht, durch Beratung und Aufklärung die Ängste abzubauen.

Der mutmaßliche Messerstecher, der Freitagnacht wahllos mehr als 30 Passanten verletzt hat, war betrunken. Deshalb fordern Politiker jetzt, bei der WM den Alkoholkonsum zu regulieren. "Notfalls werden wir den Alkoholkonsum per Anordnung auf dem Fanfest einschränken und auch einen weiteren Zustrom von Besuchern durch verstärkte Einlasskontrollen unterbinden", kündigte Ehrhart Körting in der "Welt" an. Zwar sei er nicht dagegen, wenn die Fans ein paar Biere tränken. Entscheidend sei aber, dass sie nicht die Kontrolle verlieren.

Auch der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy will den Alkoholausschank einschränken: "Die Veranstalter von Übertragungen der Spiele auf Großbildschirmen müssen verpflichtet werden, keine alkoholischen Getränke an offenkundig Betrunkene auszuschenken", sagte er dem Blatt. Wer nach zu starkem Alkoholkonsum andere Besucher anpöbelt, sollte unverzüglich aus dem Verkehr gezogen werden.

Der Sicherheitschef des WM-Organisationskomitees, Helmut Spahn, kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen nochmals zu überprüfen. "Wir werden bei unseren WM-Sicherheitskonferenzen über den Amoklauf in Berlin reden müssen", sagte er. Es müsse geprüft werden, ob im Vorfeld "wirklich alles bedacht" worden sei. Es sei "unheimlich schwer, einen irrational handelnden Menschen in der Masse zu kontrollieren", räumte Spahn ein, warnte aber zugleich vor allgemeiner Panik.

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