Nach BDI-Kritik
DIHK verteidigt deutschen Exportüberschuss

Industriepräsident Dieter Kempf hat dazu aufgerufen, die Kritik am deutschen Exportüberschuss ernster zu nehmen. Deutschland trage eine Mitverantwortung am Handelskonflikt mit den USA. Jetzt reagiert der DIHK.
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BerlinDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verteidigt die deutschen Exportüberschüsse nach der Kritik von Industriepräsident Dieter Kempf. „Wir müssen uns nicht für unsere hervorragenden Produkte entschuldigen, die weltweit gefragt sind“, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Den Vorwurf, dass Deutschland auf Kosten anderer Länder Geschäfte mache, sehe ich nicht.“ Der Exportüberschuss sei auch immer mit dem Aufbau von Arbeitsplätzen im Ausland verbunden. Von den 200.000 Jobs, die deutsche Tochterfirmen in diesem Jahr anderswo schaffen wollten, entstünden allein 40.000 in den USA.

Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Kempf, räumte zuvor eine Mitverantwortung der Bundesrepublik am Handelskonflikt mit den USA ein und rief dazu auf, Kritiker der Exportüberschüsse ernster zu nehmen. „Wir Deutschen sollten uns hier ein bisschen ehrlich machen“, sagte Kempf der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe). „Handelsbilanzen müssen nicht immer ausgeglichen sein. Aber wenn ein Land dauerhaft extrem hohe Überschüsse ausweist, dann muss es sich auch einmal fragen, was es selbst dazu beitragen kann, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft.“ Zudem sollten die Deutschen generell „die Welt weniger belehren als vielmehr versuchen, Brücken auch zu Sichtweisen zu bauen, die uns zunächst einmal fremd sind“.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres übertrafen die Warenexporte die Importe um rund 142 Milliarden Euro. Nach Prognose des Ifo-Instituts wird Deutschland 2017 erneut den weltgrößten Leistungsbilanzüberschuss aufweisen - vor China und Japan. EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds prangern das an, weil Ländern mit hohen Überschüssen solche mit großen Defiziten gegenüberstehen.

Kempf weise „mit erfrischender Klarheit“ darauf hin, „dass dauerhafte wirtschaftliche Ungleichgewichte ein unverantwortliches Risiko für die Euro-Währungsunion und damit auch für die deutsche Wirtschaft sind“, sagte die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter. „Um die Exportüberschüsse zu begrenzen, muss die Binnennachfrage gestärkt werden.“ Das könne durch mehr Investitionen in marode Schulen und Verkehrswege, in Integration und soziale Maßnahmen wie der Erhöhung des Mindestlohns geschehen.

Auch Wirtschaftsverbände befürworten mehr Investitionen. „Der Handelsüberschuss ist ein Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, die trotz wirtschaftshemmender Weichenstellungen der vergangenen Jahre noch besteht“, sagte der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée. „Richtig ist aber auch, dass sich die neue Bundesregierung dem Investitionsstandort Deutschland widmen muss.“ Der Breitbandausbau etwa komme nur schleppend voran. Auch müsse ein besseres Investitionsklima geschaffen werden. Stetig steigende Energiekosten, starre Arbeitszeitgesetze und ein bürokratisches Steuersystem machten es für viele Unternehmen nicht gerade sehr attraktiv, in Deutschland zu investieren. Der DIHK sieht das ähnlich. „Natürlich sind wir in Deutschland gefordert, mehr zu investieren“, sagte Treier. „Letztlich würde sich das auch in der Leistungsbilanz niederschlagen.“

US-Präsident Donald Trump gehört zu den Kritikern deutscher Exportüberschüsse. Kempf sprach sich dafür aus, die US-Wirtschaft beim Wiederaufbau einer modernen, exportstarken Industrie zu unterstützen. Er schloss eine Angleichung der Importzölle auf Autos in den USA und der EU nicht aus. Bisher verlangen die Europäer eine Einfuhrabgabe von zehn Prozent auf amerikanische Wagen, während die USA umgekehrt nur 2,5 Prozent fordern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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