Nach Boetticher-Rücktritt
Facebook-Affäre stürzt Nord-CDU in Führungskrise

Unter Tränen ist CDU-Chef Christian von Boetticher in Schleswig-Holstein zurückgetreten - zum Verhängnis wurde ihm eine Facebook-Affäre mit einer 16-Jährigen. Dem persönlichen Drama folgt nun ein politisches.
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KielDie schleswig-holsteinische CDU ist neun Monate vor der Landtagswahl zu einem Neustart gezwungen. Nach dem Verzicht des Landesvorsitzenden Christian von Boetticher auf die Spitzenkandidatur und seinem Rückzug als Parteichef steckt die Union in einer tiefen Führungskrise.  

Von Boetticher und mit ihm die CDU sind in die Facebook-Falle getappt: Auslöser war eine Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen, die der 40-Jährige im vergangenen Jahr hatte. Boetticher war daraufhin am Sonntag unter Tränen von seinen Ämtern als CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl zurückgetreten. „Ja, es ist wahr, ich hatte mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mit ihr mehrere Monate zusammen gewesen“, sagte der CDU-Politiker. Das Mädchen sei zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt gewesen. Er sprach von einer „ungewöhnlichen Liebe“, die auch vom Umfeld akzeptiert worden sei.

Wie Bild am Sonntag berichtete, habe der Spitzenpolitiker das Mädchen Anfang 2010 über Facebook kennengelernt. Der damals 39-Jährige habe mit der 16-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen zunächst Mails ausgetauscht. Man sei sich sympathisch gewesen und kam sich näher. Nach einem ersten persönlichen Treffen habe es weitere Verabredungen gegeben, bei ihr und bei ihm daheim in Pinneberg, berichtete das Springer-Blatt.

Bei seiner Rücktrittserklärung nannte Boetticher seine damalige Liebesbeziehung einen politischen Fehler. Das Verhältnis zu dem Teenager stammte aus der Zeit vor von Boettichers Vornominierung zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in Schleswi-Holstein am 6. Mai 2012. Dafür hatte ihn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) vorgeschlagen.  

Der jetzige Ministerpräsident Carstensen verliert durch die Affäre seinen designierten Kronprinzen, die Landes-CDU ihren großen Hoffnungsträger. Wer neuer Spitzenkandidat für die Wahlen und CDU-Landesvorsitzender wird, muss nun schnell geklärt werden.

Bisher führt von Boetticher auch die Landtagsfraktion der CDU. Noch nicht definitiv entschieden ist bisher, ob es auch zu einem Wechsel an der Fraktionsspitze kommt. Als mögliche Nachfolgekandidaten gelten die Fraktionsvizes Hans-Jörn Arp und Johannes Callsen sowie Finanzexperte Tobias Koch. Wie es dort an der Spitze weitergeht, wird an diesem Dienstag entschieden.

Gespräche zur Neubesetzung des CDU-Landesvorsitz laufen ebenfalls. Der Parteitag zur Aufstellung der Landesliste für die Landtagswahl am 6. Mai 2012 ist für den 4. November angesetzt. Als Favorit gilt in Kiel nun Landeswirtschaftsminister Jost de Jager (46). Die Anzeichen, dass de Jager die Nachfolge des gestürzten Boetticher antreten will, verdichten sich: Der 46-Jährige soll seine Bereitschaft schon signalisiert haben.

Rechtlich ist eine intime Beziehung zu einer 16-Jährigen zulässig. Ministerpräsident Carstensen hatte von Boetticher aber darauf hingewiesen, der Vorgang habe „mehr als eine nur rechtliche Dimension“. Der geschäftsführende Landesvorstand der Nord-CDU nahm die Rücktrittsentscheidung in einer Erklärung „mit Respekt zur Kenntnis“. Von Boetticher habe „deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat“.

Konsequenter zeigte sich von Boetticher in der digitalen Welt: Seine Facebook-Fanseite, die bis vor kurzem noch mehrere Hundert Anhänger hatte, ist inzwischen gelöscht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Boetticher-Rücktritt: Facebook-Affäre stürzt Nord-CDU in Führungskrise"

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  • wieso und wem soll Herr von Bötticher denn in eine Falle getappt sein außer in seine eigene ?
    Was will eigentlich ein scheinbar reifer Mann von 40 Jahren mit akademischer Ausbildung von einem 16 jährigen Mädchen ? Konversation machen,Gedanken austauschen,eine
    liebevolle,zärtliche und respektvolle Beziehung aufbauen?
    Nein,nein - Sweet little Sixteen - hier verwechselt jemand
    Liebe mit Sex, Geilheit,eigener Selbstbestätigung,ein
    jugendliches Opfer ,ein halbes Kind noch,dass "Mann" noch beeindrucken kann.
    Jeder halbwegs normal fühlende Mann seines Alters würde eher väterliche Gefühle für eine eventuelle Schwärmerei der Jugendlichen aufbringen, sich aber zurücknehmen , Verantwortung zeigen um dem Mädchen die Möglichkeit einer positiven Gefühlsentwicklung mit Zukunftsperspektive zu belassen.

    Ich habe sie geliebt - das sagen alle Päderasten -die unsere Kinder nicht in Ruhe (erwachsen werden) lassen können.

  • Wenn eine 16jährige einen 20jährigen Freund hat, ist das ok. Wenn der Freund jedoch 39 ist, dann soll das verwerflich und politisch nicht korrekt sein? Armes Deutschland. Was ist daran schlimm. Er hat nichts unrechtmäßiges getan. Schlimm allerdings, dass er 1. sicherlich von den ganzen Heuchlern zum Rücktritt gezwungen wurde und 2. kein eigenes Rückgrat hat, zu dieser Beziehung zu stehen und sein politisches Amt über alles stellte. Von daher bestätigt es einmal mehr: Unsere politische Kaste besteht aus Heuchlern und Opportunisten. Die SPD sollte sich jetzt aber auch hüten, aus dem Glaskasten mit Steinchen zu werfen.

  • Ich verstehe Ihre Haltung nicht. Ich kenn zwar Herrn von Boetticher nicht,weis aber, dass die Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen, was in Deutschland erlaubt ist, NICHTS üebr die Qualifikation aussagt.

    Ich kenne zwar

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