Nach Brandanschlag in Tröglitz
Das Leben mit den Flüchtlingen

Das Thema Asyl wird in Tröglitz monatelang hitzig diskutiert. Die Situation eskaliert. Der Bürgermeister tritt zurück. Die geplante Flüchtlingsunterkunft brennt. Jetzt beginnt der Praxistest – Leben mit den Flüchtlingen.
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NaumburgMonatelang waren sie vor Not und Krieg auf der Flucht. Heute aber lächeln sie. Die drei Familien aus Afghanistan und Indien sind die ersten Flüchtlinge, die im kleinen Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts leben. Am Donnerstag, zwei Tage nach ihrem Umzug in den 2700 Einwohner zählenden Ort, sind sie ins Landratsamt des Burgenlandkreises nach Naumburg gekommen. Sie wissen, warum das Interesse an ihnen so groß ist, sagt Landrat Götz Ulrich (CDU).

Sie wurden über den Brandanschlag auf die frisch sanierte, noch leerstehende Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz Anfang April informiert. Und: „Die Familien hätten den Umzug ablehnen können“, so Ulrich. Doch sie wollten kommen. Nach Tröglitz, und an diesem Tag vor all die Kameras.

Mit der Ankunft der neun aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen beginnt eine Bewährungsprobe für den Ort. Und es ist eine zweite Chance. Das sagt der wohl bekannteste Tröglitzer, der ehemalige ehrenamtliche Ortsbürgermeister Markus Nierth. Er war Anfang März zurückgetreten, um seine eigene Familie zu schützen. Damals sollten von NPD-Kreistagsmitgliedern angeführte Proteste gegen die Asylpläne genau vor seiner Haustür entlang führen.

Einen Monat später rief der groß gewachsene, grauhaarige Mann zu Courage und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit auf, nachdem Unbekannte das für 40 Flüchtlinge frisch sanierte Mehrfamilienhaus angezündet hatten. Wer hinter der Tat steckt, versucht die Ermittlungsgruppe „Kanister“ derzeit noch zu klären.

Jetzt kümmert sich Nierth nicht nur um seine eigene neunköpfige Familie, sondern auch um die sechs afghanischen Neuankömmlinge. Er und seine Frau Susanna haben die Patenschaft für sie übernommen, waren schon mit ihnen einkaufen, üben mit ihnen die ersten deutschen Worte. „Im Moment verständigen wir uns dabei noch mit Händen und Füßen - und mit Hilfe von Online-Wörterbüchern“, beschreibt Susanna Nierth ihre ersten Erfahrungen.

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Das Leben mit den Flüchtlingen

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„Sie bringen neue Lebensfreude mit“

Kommentare zu " Nach Brandanschlag in Tröglitz: Das Leben mit den Flüchtlingen"

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  • @Josef Steiner

    "Hört doch endlich auf mit diesem Honig-Geschmiere. Nur eine in geistiger Umnachtung geringe Minderheit ist dafür. Der Rest sträubt sich so gut es geht. Eine andere Möglichkeit hat man ja nicht. Diese Menschen werden einem aufgedrängt ob man will oder nicht. So sieht's in der Realität aus. Aufwachen !!! Augen aufmachen, aufhören zu träumen und die rosarote Brille endlich wegwerfen !!!"

    - Volle Zustimmung, Herr Steiner.

  • Die Tröglitzer unter Generalverdacht

    >An die ständige Polizeipräsenz im Ort haben sich die Bewohner schon gewöhnt. Alle paar Minuten fährt gut sichtbar ein Polizeitransporter durch den Ort. Neu-Patin Susanna Nierth sagt: „Wir alle müssen wachsam sein. Es ist gut, dass die Entwicklungen in Tröglitz genau beobachtet werden.“<

    Die ganze Tröglitzer Bevölkerung steht wohl unter Generalverdacht. Gleichzeitig scheuen die etablierten Parteien nicht davor zurück, den Tröglitzlern diese Dritte-Welt-Einwanderer aufzuzwängen. Sie müssen sie aufnehmen, und sei es nur als Zeichen der Stärke und als eine kollektive Strafe.

  • Die Neuköllnisierung von Tröglitz hat begonnen. Ein trauriger Tag für Tröglitz.

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