Nach Cyberangriff
Bundestag nimmt sich vom Netz

Ausgeforschte E-Mails? Offengelegte Geheimnisse? Ein Hackerangriff auf den Bundestag sorgte für große Verunsicherung. Jetzt wird dort das Computersystem überarbeitet – viele Fragen sind aber noch offen.
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BerlinDer Bundestag zieht Konsequenzen aus dem schweren Hackerangriff: Das Computersystem des Parlaments wird für die kommenden Tage abgeschaltet und überarbeitet. Ziel sei ein „sauberes und sichereres System“, sagte Bundestagssprecher Ernst Hebeker am Donnerstag. Im Mai war bekanntgeworden, dass unbekannte Täter einen Trojaner in das IT-System geschleust und Daten abgezweigt hatten.

„Man muss davon ausgehen, dass der Bundestag für Monate ein offenes Buch für die Angreifer war“, sagte die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz. Das sei peinlich für das Parlament. Die Bundestagsverwaltung müsse nun dafür sorgen, Sicherheitslücken zu schließen. „Das wird nicht einfach werden.“ Zudem müsse man die Parlamentarier gut informieren. „Der Nutzer ist immer ein Risiko.“

Auch der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, spricht von einem „durchaus schwerwiegenden“ Angriff. Die Informationspolitik kritisierte er als „völlig unzureichend“. „So wissen wir bis heute nicht, welche Gremien von Datenabflüssen betroffen waren und welche Teile der IT-Infrastruktur nun ersetzt werden“, teilte er auf dpa-Anfrage mit.

Zu Details der Generalüberholung schweigt der Bundestag aus Sicherheitsgründen. Nach Informationen aus Parlamentskreisen wird aber nicht nur die Software neu aufgesetzt, sondern es werden auch zentrale Server ausgetauscht. Die Abgeordneten können vorerst nicht auf das System zugreifen, also zum Beispiel auf ihre Bundestags-E-Mails, die Terminverwaltung oder Unterlagen im Intranet.

Die Arbeiten fallen noch in die offizielle Sommerpause. Die Rechner sollten am Donnerstagabend runtergefahren werden. Voraussichtlich im Laufe des Montags soll das Computersystem dann wieder zur Verfügung stehen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert warnte die Abgeordneten schon einmal vor, sie sollten sich rechtzeitig informieren, wie die Wiederanmeldung funktioniert. Er wolle verzweifelte Anrufe von Kollegen vermeiden, „sie hätten gehört, ab Montag wäre das System wieder verfügbar – sie kämen nur nicht rein“, hatte Lammert am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestags erklärt. Die Abgeordneten müssen ihr Passwort ändern. Für das kompliziertere Verfahren bei Smartphones und Tablets gebe es eine Anleitung im Intranet, die man im Zweifelsfall ausdrucken möge.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits vergangene Woche beginnen. Sie waren aber wegen der Sondersitzung zum neuen Griechenland-Hilfsprogramm verlegt worden. Was die Überarbeitung des IT-Systems kostet, ist bislang nicht bekannt. Auch die Ermittlungen zur Frage, wer hinter der Hackerattacke steckt, laufen noch.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Cyberangriff: Bundestag nimmt sich vom Netz"

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  • Es wird sich nichts ändern. Die selben unfähigen, versagenden Experten dürfen ungestraft weiter uns schaden! Wo sind die ersten fristlosen Entlassungen?

  • "Bundestag nimmt sich vom Netz"

    Versammelt er sich denn überhaupt noch einmal?
    Nachdem aus Griechenland zu lesen ist, dass Tsipras zurücktritt und Neuwahlen ausgeschrieben werden, muss doch jedem klar sein, dass gestern und heute ein abgekadertes Spiel im Deutschen Bundestag abgelaufen ist. Dazu völlig passend, dass die deutsche Kanzlerin sich im Ausland aufhält.

    Wer gestern noch zweifelte, ob die Deutschen je das Geld an Griechenland je wiedersehen, der hat heute die Antwort ganz klar auf der Hand.


    M.E. gilt jetzt unsere größte Sorge unseren deutschen Bundestagsabgeordneten, die gestern für das Hilfs-"Paket" stimmten, und ihren Familien. Hoffen wir, dass sie damit klar kommen, dass sie die deutschen Steuerbürger um so viel betrogen haben, wie noch niemand vor ihnen.

    Dieser im Beitrag genannte Cyberangriff dürfte wohl ein "Mückenschiss" dagegen sein. Dieser "Cyberangriff" von gestern und die anderen Kredite an Griechenland zuvor war ein Nichts gegen den Schaden, den Hacker angerichtet haben und anrichten konnte.

    Wir dürfen uns nicht wundern, wenn verantwortungsbewusste Politiker die Konsequenzen ziehen.

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