Nach DDR-Schelte
Empörung über Schönbohm hält an

Trotz Entschuldigung sorgen die Äußerungen von Brandenburgs Innenminister Schönbohm über Gewalt in Ostdeutschland weiter für Unruhe. Brandenburgs SPD-Regierungschef Matthias Platzeck meint, sein Minister habe das Zusammenwachsen von Ost und West erheblich belastet. Schönbohmn lehnt einen Rücktritt ab.

HB POTSDAM. Der CDU-Politiker Jörg Schönbohm bekennt sich gern dazu, Mitglied im „Club der deutlichen Sprache“ zu sein. Erfrischend offen nennt der 67-Jährige denn auch Probleme beim Namen und sagt seine Meinung, prescht aber auch gern vor und muss dann manchen Rückzieher machen. Das ging bisher am Ende für ihn immer noch gut aus, jetzt aber hat sich der frühere Bundeswehrgeneral in eine äußerst schwierige Lage manövriert.

Seine Feststellung, die „erzwungene Proletarisierung“ unter dem SED-Regime sei eine Hauptursache für Gewaltbereitschaft und Werteverlust in Ostdeutschland, entfachte in der Bevölkerung wie bei Parteifreunden einen Sturm der Entrüstung. Besondere Brisanz bekam die Wortwahl dadurch, dass Schönbohm so die Tötung von neun Säuglingen in Ostbrandenburg zu erklären versuchte, deren Leichen vor kurzem entdeckt worden waren. Als Tatverdächtige gilt ihre 39 Jahre alte Mutter.

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl sind die Betrachtungen des gelernten Artilleristen Schönbohm für die Ost-CDU ein wahrer Rohrkrepierer. Immerhin hätten Union und FDP anders als in den Vorwochen derzeit nach Umfragen im Bund keine Mehrheit, die CDU liegt in den neuen Ländern mit 29 Prozent deutlich hinter der Linkspartei (32 Prozent).

Entsprechend harsch fielen die Reaktionen aus. Brandenburgs SPD-Regierungschef Matthias Platzeck meinte, sein Minister habe das Zusammenwachsen von Ost und West erheblich belastet. Mit dem sachsen-anhaltischen Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre hatte am Freitag erstmals ein CDU-Politiker indirekt dessen Rücktritt gefordert. „Die Zeit Schönbohms ist abgelaufen. Er sollte über seine politische Zukunft nachdenken“, sagte Daehre der „Magdeburger Volksstimme“.

Scharfe Kritik äußerte auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Was er dort von sich gegeben hat, ist eine Form von Pseudo-Soziologie, die eine Beleidigung für die Menschen im Osten ist“, sagte er am Rande einer SPD-Konferenz in Kassel. „Der Mann kann es nun wirklich nicht, aber das ist ja nicht das erste Mal, dass das deutlich wird.“

Seite 1:

Empörung über Schönbohm hält an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%