Nach Delegiertentreffen AfD droht neuer Richtungsstreit

Die Rechtsradikalen in der AfD sollten sich nicht zu früh freuen. Der realpolitische AfD-Flügel hat beim Parteitag zwar einen herben Dämpfer erhalten. Doch ihr Frontmann will sich nicht so leicht geschlagen geben.
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AfD droht nach Delegiertentreffen ein neuer Richtungsstreit Quelle: Reuters
AfD-Führungsstreit

Georg Pazderski (l.) and Alexander Gauland: Verlierer und Sieger im Flügelkampf.

(Foto: Reuters)

BerlinFür Alexander Gauland ist alles wie immer. „Die AfD tickt gar nicht anders als vorher“, sagt der neue Co-Bundesvorsitzende im Deutschlandfunk und redet damit die Turbulenzen um die Neuwahl des Bundesvorstands am Wochenende klein. Denn Gauland selbst war es, der sich in einem brisanten Moment auf dem Delegiertentreffen in Hannover genötigt sah, kurzerhand der Parteitagsregie selbst in die Hand zu nehmen, um ein Abdriften ins Chaos zu verhindern.

Zuvor war die Wahl des als gemäßigt geltenden Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski zum Co-Bundesvorsitzenden neben Jörg Meuthen, der im Amt bestätigt wurde, gescheitert. Pazderski gelang es in zwei Wahlgängen nicht, sich gegen Doris von Sayn-Wittgenstein durchzusetzen. Auch die AfD-Landeschefin in Schleswig-Holstein, die dem rechtsradikalen Parteiflügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke zugerechnet wird, erhielt nicht die notwendige Mehrheit.

Mit einer solchen Pattsituation hatte niemand gerechnet, weil die überraschende Kandidatur Sayn-Wittgensteins niemand auf dem Zettel hatte. Dem Vernehmen nach wurde sie ins Rennen geschickt, um Pazderski zu verhindern. In dieser spannungsgeladenen Phase nahm Gauland schließlich das Zepter in die Hand und nach einem kurzen Hinterzimmergespräch ließen die beiden ihre Kandidaturen fallen. Gauland kandidierte im Anschluss alleine und wurde erwartungsgemäß gewählt.

Pazderski wurde anschließend zum Vizevorsitzenden gewählt, aber nur mit 51 Prozent. Das Ergebnis zeigt den Gemäßigten in der Partei die Grenzen auf. Ihr realpolitischer Kurs ist in der AfD nicht mehrheitsfähig. Die Partei bürgerlicher aufzustellen, um sie in absehbarer Zeit reif für eine Regierungsverantwortung zu machen, wie Pazderski das will, kommt für Meuthen und Gauland jedenfalls nicht infrage. Ihre rigorose Absage dürfte aber kaum zur Beruhigung der Lage beitragen.

Die Kräfte um Pazderski seien auf dem Parteitag zwar geschwächt worden, „aber sie werden sich nicht geschlagen geben“, sagte der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst dem Handelsblatt. „Insofern sind weitere Konflikte im Führungszentrum der AfD vorgezeichnet.“

Auf seiner Facebook-Seite kündigte Pazderski bereits an, als Bundesparteivize seine realpolitische Linie weiter verfolgen zu wollen. „Meine Priorität ist die Professionalisierung der Partei, um zu einem geeigneten Zeitpunkt aus einer Position der Stärke Regierungsverantwortung zu übernehmen“, schrieb er. Im Interview mit dem Sender Phoenix wurde Pazderski noch deutlicher: „Wir müssen uns natürlich mittel- und langfristig Gedanken machen über die Koalitionsfähigkeit.“ Und er machte klar, dass er sich in dieser Hinsicht „nicht verbiegen“ werde, denn er habe „klare Vorstellungen“.

Die hat allerdings auch Gauland. Etwa was sein Verhältnis zu Höcke angeht. Gegen den Wortführer der Rechtsnationalen in der Partei läuft ein Parteiausschlussverfahren, das Pazderski unterstützt hat, Gauland aber ablehnt. Meuthen und er wollen „Gerechtigkeit auch gegenüber Björn Höcke“, sagte Gauland. Daher hätten beide im letzten Bundesvorstand gesagt, „liebe Freunde, dieses Ausschlussverfahren ist keine gute Idee, zumal ich glaube, dass es nicht durchgeht“. Eine direkte Nähe zu der von Höcke ins Leben gerufenen „Flügel“-Bewegung bestritt Gauland. „Meuthen und ich sind beide keine Mitglieder des Flügels. Wir sind beide, glaube ich, sehr bürgerlich, sehr gemäßigt und sind überhaupt keine Radikalen.“

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13 Kommentare zu "Nach Delegiertentreffen: AfD droht neuer Richtungsstreit"

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  • Noch eine abschließende Anmerkung:

    Ich gehe davon aus, dass sich Ihnen eines Tages der Zusammenhang erschließen wird. Wenn nicht, dann habe ich nicht nur Ihr anerzogenes Benehmen deutlich überschätzt, Herr Gans.

  • Besten Dank H e r r Gantz für ihre überzeugenden Belehrungen.

    Damit ersparen Sie mir zukünftige Zeitverschwendung.

  • Kabus, Kabus, Sie sollten sich besser ganz zurück halten, denn wirres Zeug wird hier garantiert nicht gebraucht. Auch müssen Sie noch lernen, plausible Begründungen in Ihren Kommentarversuchen mitzuliefern. Nur so als Anregung.

  • Doch, Herr Gantz. Genau Sie, bzw. Ihren Kommentar habe ich gemeint.

    Aber was meinen Sie mit Schreibmarathon? Wenn Sie mich meinen - ich übe mich seit einiger Zeit in Zurückhaltung :)

  • Herr Kabus, habe ich nicht verstanden. Sind Sie sicher, dass Sie mich meinen? Oder ist es nur eine simple Verwechselung? Könnte ja möglich sein nach des Tages Schreibmarathon.

  • Herr Gerald Gantz,

    ich überlege die ganze Zeit krampfhaft, wann ich von einem Nestbeschmutzer, wie beispielsweise einer Krähe, zuletzt gelesen oder gehört habe. Wenn es mir einfallen sollte, melde ich mich wieder.

  • Zu 2.

    Höcke hat sich nach seinen letzten bundesweit „beachteten“ Sprüchen wohl wider Willen mit unerwünschten öffentlichen Bekundungen zurückhalten müssen und musste sich auf seine Montagspredigten in Erfurt beschränken.

    Was hat Herrn Neuerer nur davon abgehalten davon zu berichten, dass Höcke auf dem Parteitag es nicht mehr ertragen konnte, wie Andere die mediale Bühne nutzen konnten – nur er nicht? Das war doch daran erkennbar, als er versuchte, selbst ins Rampenlicht zu kommen, indem er Frau Weidel als Sonnenkönigin titulierte.

    Nach langem Nachdenken bis ich drauf gekommen, warum dieser Ausfall nicht „journalistisch gegen Höcke verwendet wurde – dann hätte man nämlich auch erwähnen müssen, dass Höcke danach ausgepfiffen und ausgebuht wurde. Das aber hätte einen vollkommen unerwünschte Darstellung der AfD zur Folge gehabt. Also besser, dann doch den Vorfall gar nicht erwähnen.

  • Zu 1.

    So wie ich Herrn Neuerer in seinen höchst informativen Berichten verstehe (offensichtliche pauschale Übereinstimmung zu Polit-Größen wie der maßlose Maas -Nazis im BT-, usw.), ist das der rechte Flügel, aus dem die AfD zu 50 %, abgeleitet aus der misslungenen Sprecherwahl, demnach besteht.

    Dem rechten Flügel werden üblicherweise natürlich auch Kritiker der Islam-Politik der wahren Führer Deutschlands zugerechnet. Eine Differenzierung mit tatsächlich rechts außen stehenden Dumpfbacken erfolgt natürlich nicht – weil es wohl zu ungewünschten Zahlen kommen wird?

  • Herr Sir Alex,

    Haben Sie in Erwartung, dass Ihre prägnante Kommentierung üblicherweise hier mit Löschung geahndet wird, diese extra kurz und bündig gehalten?

    Zum Stichwort Qualität würde ich es begrüßen,

    1. wenn ein Reporter zunächst einmal den Leser wissen lassen würde, was denn unter „rechtsextrem“ oder „rechtsradikal“ nach seinem Verständnis zu verstehen ist und

    2. auch einen vollständigen Bericht seiner „Beobachtungen“ abliefern würde.

  • Die AFD sollte sich ein Beispiel an anderen Parteien nehmen, wo Friede ,Freude,
    Eierkuchen herrscht wie bei der SPD, CDU, CSU Linke ohne Flügelkämpfe.

    Dafür muss die AFD auch Federn lassen, die neueste Umfrage : Die CDU steigt natürlich, auf 33 % ,die SPD auch, wenn auch minimal auf 20% aber das Lockmittel
    steht. Die Grünen müssen steigen und steigen auf 13 % und die Linke na ja kann man bei 9 % stehen lassen.

    Aber die AFD fällt auf 10% es geht rapide nach unten liebe Bürger und das weil
    noch Neuwahlen vor der Tür stehen könnten.

    Wenn im März oder April eine Regierung stehen sollte , die Franzosen Europa für sich eingenommen haben und man erstaunt fragt : wer war Angela Merkel noch
    dann steht die AFD wieder da wo sie immer stand bei 13 % .

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