Nach dem Amoklauf
Ballerspiel-Debatte auf Level IV

Nach dem Amoklauf von Emsdetten ist eine neuerliche Debatte um vermeintlich gewaltverherrlichende Compupterspiele entbrannt - wie schon viereinhalb Jahre zuvor Erfurter Amoklauf und später immer mal wieder. Nur: Einen klaren Nachweis für einen Zusammenhang zwischen der Nutzung solcher Spiele und der Gewaltbereitschaft gibt es nicht.

HB BERLIN/MÜNSTER. Die bayerische Staatsregierung plädierte für ein umgehendes Verbot sowohl einschlägiger Computerspiele wie auch von „echten“ Killerspielen, bei denen mit Farbpatronen oder Weichgummi-Bällen auf Mitspieler geschossen wird. Familienministerin Christa Stewens (CSU) zog eine direkte Verbindung zwischen Computerspielen und dem Amoklauf vom Montag, bei dem der 18-jährige Täter an einer Realschule in Emsdetten fünf Menschen durch Schüsse schwer verletzt hatte, bevor er sich dann selbst tötete.

Der Fall zeige, was Computerspiele in den Köpfen Jugendlicher anrichten könnten, sagte Stewens. Sie forderte die große Koalition in Berlin auf, rasch Änderungen im Medienschutz Jugendlicher durch Verbote auf den Weg zu bringen. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass ein Verbot von Killerspielen geprüft werden solle.

Niedersachsens Innenminister Schünemann kündigte in der „Netzeitung“ eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel an, die Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware abzuschaffen. „Hier muss es ein völlig neues Überprüfungsgremium geben, das allein in staatlicher Hand liegt.“ Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sagte, zwar könne eine Verbotsdebatte sinnvoll sein, gleichzeitig dürfe es keine kurzschlussartige Panik-Reaktion geben. „Wir brauchen Frühwarnsysteme, und nicht diese vordergründige Diskussion um das Verbot von Killerspielen“, sagte er.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte am Dienstag nach Gesprächen mit Opfern, Angehörigen und Polizeibeamten im münsterländischen Emsdetten, es müsse auch überlegt werden, wie Gewalt verherrlichende Computerspiele, die einer der Hintergründe für die Tat gewesen seien, aus Kinderzimmern verbannt werden könnten. Zudem müsse der Einsatz von Schulpsychologen verbessert werden. „Wir müssen die Frage der Gewaltbereitschaft im Lande neu diskutieren“, bilanzierte der CDU-Politiker.

Die Grünen nannten es kurzsichtig, die Schuld für die Tat allein bei Computerspielen zu suchen. Computerspiele würden reflexartig als Sündenbock herangezogen, wenn die Bildungs- und Jugendhilfepolitik der Länder kaschiert werden solle, erklärte die Grünen-Abgeordneten Grietje Bettin und Kai Gehring. „Erneute Verbotsverfahren sind billig“.

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