Nach dem Glos-Rücktritt
„Seehofers Menschenführung ist nicht optimal“

Nach dem Rücktritt von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist in der CSU ein Streit über den Führungsstil von Parteichef Horst Seehofer ausgebrochen. Kritiker werfen ihm mangelnde Solidarität mit Glos vor. Und auch die Benennung von zu Guttenbergs als neuen Wirtschaftsminister sorgt für Unmut.

HB BERLIN. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mahnte in der „Süddeutschen Zeitung“ an, die Partei müsse in den Monaten bis zur Bundestagswahl Geschlossenheit und Solidarität üben - „auch die CSU-Spitze, auch mit den eigenen Leuten, auch in Hintergrundgesprächen, zumindest in homöopathischen Dosen“. Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der gleichen Zeitung: „Glos hätte mehr Unterstützung von allen Beteiligten verdient.“ Der ehemalige Staatskanzleichef Eberhard Sinner warf Seehofer vor, dieser agiere „nicht optimal in der Menschenführung“. CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid forderte in dem Blatt: „Wir müssen nun alle zusammenstehen. Es war immer die große Kraft der CSU, wenn wir zusammengehalten haben.“

Glos hatte Seehofer am Samstag seinen Rücktrittswunsch übermittelt. In Unionskreisen wurde als Hauptgrund dafür das zunehmend gespannte Verhältnis der beiden CSU-Politiker genannt. Als Nachfolger für Glos schlug Seehofer CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg vor.

Die Gründe für seinen Rückzug hatte Glos am Montagabend in der Sitzung der Landesgruppe erläutert. Am heutigen Dienstag lies Landesgruppenchef Peter Ramsauer wissen, dass wohl mangelnde Solidarität mit Glos den Ausschlag für dessen Entscheidung gegeben hat. Glos sei „häufig angerempelt worden“ und habe „von mancher Seite nicht die Solidarität erfahren“, die nötig gewesen sei, sagte Ramsauer ohne Namen zu nennen. „Für ihn ist viel zusammen gekommen.“ Ramsauer sagte, er sei selbst über den Rücktritt schockiert gewesen.

Der neue Generalsekretär der CSU, Alexander Dobrindt, verteidigte indessen seinen Parteichef Horst Seehofer gegen Kritik aus den eigenen Reihen. „Seehofer hat die Situation mit Bravour gemeistert“, meinte Dobrindt im ZDF-„Morgenmagazin“. Er bestritt, dass es Kritik am Führungsstil Seehofers gebe. „Es gibt Leute, die sagen, er hätte da anders handeln können“, räumte er dennoch ein. Es sei dem Parteivorsitzenden gelungen, die CSU radikal zu verjüngen. Guttenberg ist 37 Jahre alt, Dobrindt selbst 38.

Die designierte CSU-Vize-Generalsekretärin Dorothee Bär kündigte an, im Superwahljahr stärker auf die Parteibasis zugehen zu wollen. „Eine spannende Herausforderung wird sein, dass wir mit einer Stimme sprechen“, sagte Bär. „Wir wollen sehr stark an der Mobilisierung unserer Mitglieder arbeiten und Begeisterungsfähigkeit entfachen, damit die Basis hinter uns steht und sich als Teil des Teams versteht.“ Deshalb werde sie gemeinsam mit dem designierten Generalsekretär Dobrindt „sehr viel bei den Verbänden vor Ort sein“.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete wies scharfe Kritik der Opposition an dem künftigen Wirtschaftsminister zurück. „Er hat schon von seinem Lebensweg her auch wirtschaftliche Erfahrung“, sagte Bär. „Er hat sich im Zuge der Außenpolitik auch sehr stark mit der Außenwirtschaft beschäftigt.“

Die Benennung zu Guttenbergs als Glos-Nachfolger stieß auch bei CDU-Politikern auf Kritik. Guttenberg sei zwar zur Übernahme eines Ministeramts fähig, bislang aber vor allem als Außenpolitiker aufgetreten, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Otto Bernhardt, der „Bild“-Zeitung. „Die Personalie zeigt deshalb erneut, dass es um die Wirtschaftskompetenz der Union schlecht bestellt ist.“ Auch Andreas Lämmel, CDU-Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestags, monierte: „Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise hätte das Amt von einem ausgewiesenen Wirtschaftsexperten übernommen werden müssen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%