Nach dem Krisengespräch
Glos hält Airbus ohne Staat für denkbar

Nach dem Treffen von Merkel und Chirac, bei dem es auch um den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus ging, werten Beobachter, Beteiligte und politische Kommentatoren die Ergebnisse aus. Die IG Metall begrüßte die angedachte Lastenverteilung. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos spekuliert unterdessen über die staatlichen Beteiligung an dem Unternehmen.

HB HAMBURG/BERLIN. Glos hält ein Ende der staatlichen Beteiligung an Airbus für denkbar. „Wenn sich alle Seiten zurückzögen, wäre das bestimmt kein Schaden“, sagte er in einem „Spiegel“-Interview. „Aber das müsste dann im Gleichschritt passieren.“ Es gebe allerdings ein „natürliches Interesse des Staates und der Politik“ an dem Unternehmen, fügte Glos hinzu. „Schließlich sind viele Produkte des Unternehmens mit öffentlichen Mitteln angeschoben worden.“

Der Wirtschaftsminister sprach sich für eine Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe zwischen Deutschland und Frankreich bei Airbus aus. „Es gibt keinerlei Grund für eine vorauseilende Bescheidenheit“, sagte der CSU-Politiker. „Das deutsch-französische Gleichgewicht hat sich über Jahrzehnte bewährt.“

Am Freitag hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Jacques Chirac bei ihrem Spitzentreffen im brandenburgischen Meseberg auf einen fairen Lastenausgleich bei der anstehenden Airbus-Sanierung verständigt. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte dazu bei einer Parteiveranstaltung in Berlin, er freue sich, dass offensichtlich die Kraft zu einer konkreten Vereinbarung bestanden habe. „Ich hoffe, dass das so ist. Sonst ist das ein bisschen wenig“, fügte er hinzu.

Die IG Metall Küste hat die von Chirac und Merkel favorisierte Lastenverteilung begrüßt. Eine gleiche Verteilung der Belastungen und der Zukunftschancen auf die Standorte in Deutschland und Frankreich sei auch die Linie der Gewerkschaft, sagte Sprecher Daniel Friedrich dem Sender Deutschlandradio Kultur. Er betonte die Bedeutung der deutschen Beteiligung am EADS-Konzern über ein Konsortium: „Solange sich der französische Staat in der Shareholderstruktur von EADS bewegt, ist es auch gut, dass der deutsche das macht.“

Friedrich kritisierte „voreilige Äußerungen über angeblich geplante Maßnahmen bei Airbus“ und forderte, nicht mehr vereinzelte Neuigkeiten an die Öffentlichkeit zu geben: „Wer die nennt, der sollte auch die Fragen, die dahinter kommen, mitbeantworten. Das kann leider keiner, weil es kein Gesamtkonzept gibt.“ Seine Gewerkschaft erwarte aber, dass nun in den kommenden Tagen ein Konzept vorgelegt werde. Die Ursache für die Airbus-Krise von Airbus sieht der Gewerkschafter in Management-Fehlern.

Beim Treffen von Merkel und Chirac wurden keine konkreten Aussagen über den Stellenabbau und die betroffenen Standorte gemacht. Dies sei allein Sache des Airbus-Mutterkonzerns EADS, betonten die beiden Politiker. Deutschland und Frankreich sind maßgeblich am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS beteiligt - weitere Airbus-Nationen sind Spanien und Großbritannien.

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