Nach dem Rücktritt
Kurt Beck: Blick zurück im Zorn

Der Abgang des bisherigen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck beschäftigt noch immer die Gemüter. Ob heimlicher Putsch oder freiwilliger Rückzug, ganz klar ist die Lage auch zwei Tage nach der Entscheidung nicht. Nun beginnt Beck, mit Teilen seiner Partei abzurechnen – und gibt Indiskretionen als ausschlaggebenden Beweggrund an.

MAINZ. Noch ist die Anspannung spürbar. Sie wirkt nach in Kurt Beck, auch zwei Tage nach seinem überraschenden Rücktritt. Er ist noch immer wütend über die Heckenschützen in der eigenen Partei, er ist enttäuscht über die Machtmechanismen in Berlin, die den SPD-Vorsitzenden einfach weggedrückt und fortgespült haben. Und doch ist schon ein großer Teil der Last von ihm abgefallen.

Kurt Beck hat die Berliner Bühne verlassen und ist zurück in Mainz. An diesem Dienstag stellt er sich erstmals den Fragen der Journalisten. „Ich habe das gerne gemacht“, sagt Beck. Und auch: „Ich gehe ohne Groll.“ In beiden Sätzen steckt Wahrheit – und doch sind sie nicht völlig richtig. Beck zieht an diesem Dienstag eine Art Bilanz seiner Zeit als SPD-Vorsitzender – und natürlich fällt sie positiv aus.

Er habe die Partei organisatorisch, programmatisch und finanziell auf den kommenden Bundestagswahlkampf vorbereitet, erklärt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Er habe vor Monaten bereits für sich die Entscheidung getroffen, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Partei als Kanzlerkandidat in diesen Wahlkampf führen sollte. „Ich hatte einen klaren Weg vor Augen“, sagt der Ex-SPD-Chef. Doch sein Scheitern muss auch Beck an diesem Tag eingestehen. Er tut es in aller Öffentlichkeit.

Spielernaturen in der eigenen Partei macht Beck für seinen Rücktritt verantwortlich. Mit 95 Prozent der Genossen sei er gut zurechtgekommen, schätzt der Ministerpräsident. Drei Prozent seien seine Gegner gewesen. Und dann habe es da noch zwei Prozent gegeben, „die ihr Spiel spielen“. Denen persönliche Eitelkeiten und Interessen wichtiger gewesen seien als das große Ganze. „Halbverrückte“ nennt Beck sie, ohne einen Namen zu erwähnen. Wortreich versucht Beck an diesem Tag, Steinmeier aus der Schusslinie zu nehmen. Der Außenminister und der Parteivorsitzende, so stellt Beck es dar, hätten gemeinsam gehandelt. Steinmeier sei es gewesen, der am Sonntagmorgen noch versucht habe, ihn umzustimmen, als der Entschluss zum Rücktritt schließlich feststand. Als die Rede auf Franz Müntefering kommt, wird Beck deutlich einsilbiger.

Der Ex-Vorsitzende berichtete, er selbst habe mit Müntefering und Steinmeier am vergangenen Donnerstag in Bonn das weitere Vorgehen beraten und dabei festgelegt, dass der Außenminister am darauffolgenden Wochenende zum Kanzlerkandidaten ausgerufen werden sollte. Doch dann sei durch gezielte Falschinformationen in den Medien schon vor dem Treffen am Schwielowsee eine ganz andere Variante verbreitet worden. So habe es plötzlich so ausgesehen, als sei Beck in der K-Frage an die Wand gedrängt worden.

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