Nach dem Rücktritt
Wer Sarrazins Nachfolger werden könnte

Nach dem Rücktritt von Thilo Sarrazin aus dem Vorstand der Bundesbank beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland haben das Vorschlagsrecht, doch hüllen sich bisher in Schweigen. Damit beginnt die Spekulation über mögliche Kandidaten.
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HB BERLIN. Die Nachfolge für Thilo Sarrazin im Vorstand der Bundesbank bleibt unklar. Weder die Bundesregierung noch die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland, die diesmal das Vorschlagsrecht haben, wollten sich zur Besetzung des Top-Postens äußern. Die Suche nach einem Kandidaten ist nicht einfach und könnte sich hinziehen.

Als mögliche Nachfolger sind immer wieder Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen im Gespräch sowie Jens Weidmann, Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch fällt häufig der Name der Finanzexpertin im Sachverständigenrat, Beatrice Weder di Mauro.

Sarrazin, der wegen seiner Thesen über die Einwanderungspolitik seit Tagen in der Kritik steht, war am Donnerstag seiner drohenden Entlassung aus der Bundesbank-Spitze zuvorgekommen. Nach der Entscheidung des früheren Berliner Finanzsenators zog die Bundesbank den Antrag auf Entlassung bei Bundespräsident Christian Wulff wieder zurück.

Bisher werden Vorstände der Bundesbank eher nach parteipolitischem Proporz von Bund und Ländern bestellt. Laut Bundesbank-Gesetz müssen Mitglieder des Vorstands „besondere fachliche Eignung“ besitzen.

Sie werden vom Bundespräsidenten bestellt. Präsident und Vizepräsident sowie ein weiteres Mitglied werden von der Bundesregierung vorgeschlagen, die übrigen drei Mitglieder vom Bundesrat im Einvernehmen mit der Regierung. arrazin war im Mai 2009 auf Vorschlag der SPD-geführten Regierungen von Berlin und Brandenburg in den Vorstand gerückt.

Zuletzt hatten Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern Andreas Dombret als neuen Bundesbank-Vorstand vorgeschlagen.

Diesmal sind turnusgemäß Rheinland-Pfalz und Saarland am Zug. Die Länder hatten eigentlich damit gerechnet, sich erst 2014 mit der Personalie befassen zu müssen. Kompliziert werden könnte die Sache, weil eine SPD-Regierung (Mainz) und eine schwarz-grüne Koalition (Saarbrücken) einen Kompromiss finden müssen. Beide Länder müssen keinen Ex-Politiker oder Experten aus „ihren“ Reihen nehmen.

Bislang galten Asmussen und Weidmann aber eher als Kandidaten für einen anderen, Ende Mai 2011 frei werdenden Posten: Dann scheidet Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler aus. Hier hat der Bund das Vorschlagsrecht. 2011 fällt aber auch die Entscheidung über die Nachfolge von Jean-Claude-Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Kandidat ist auch Bundesbank-Präsident Axel Weber.

Die schwarz-gelbe Koalition will am bisherigen Auswahlverfahren für die Bundesbank-Spitze nicht rütteln. Kein Thema ist auch eine mögliche Reduzierung des Vorstandes auf fünf statt sechs Mitglieder - auch als Folge der gesunkenen Bedeutung der Bundesbank. Dann gäbe es kein ausgewogenes Verhältnis zwischen Regierung und Bundesrat.

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