Nach dem Rücktrittsgesuch
Für Glos tickt die Uhr – Seehofer muss handeln

Nach dem schnellen Nein von CSU-Chef Horst Seehofer hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sein Rücktrittsgesuch verteidigt.

HB/dpa/ap BERLIN/MARKTLEUTHEN. Es sei ein Beitrag, verloren gegangenes politisches Vertrauen in die CSU zurückzuerobern. Mit der Ankündigung, sein "stressiges Ministeramt" aufgeben zu wollen, habe er der CSU Gelegenheit geben wollen, vor der Bundestagswahl zu sagen, wer die Aufgabe des Wirtschaftsministers nach der Wahl wahrnehmen werde, sagte Glos am Sonntagabend im bayerischen Marktleuthen. Dort hielt er eine Rede bei einem Neujahrsempfang des CSU-Ortsverbands. Zu seinem überraschenden Gesuch sagte er: "Das ist etwas ganz Natürliches. Ich werde alles tun, dass die CSU dadurch keinen Schaden nimmt." Auf Fragen - etwa nach einem Gesprächstermin mit Seehofer - ging Glos nicht ein.

Doch seine Äußerungen vor den Parteifreunden klangen resignativ: "Ich hätte mir gewünscht als Wirtschaftsminister, mehr freier entscheiden zu können, als das in einer Großen Koalition möglich ist", sagte er.

Auch der Vorsitzende der Jungen Union in Bayern, Stefan Müller, rechnet nun mit einer raschen Ablösung des amtsmüden Bundeswirtschaftsministers. "Ich gehe davon aus, dass es jetzt sehr schnell Entscheidungen geben wird und das (Parteichef) Horst Seehofer einen Vorschlag für die Nachfolge von Glos machen wird", sagte Müller am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Er rechne damit, dass Seehofer einen Nachfolger für den Ministerposten aus der Berliner CSU - Landesgruppe präsentieren werde, sagte Müller.

Mehrere Nachfolger in Gespräch

Als einer der Kandidaten für die Nachfolge wird der bayerische Umweltminister Markus Söder gehandelt. Als weitere Kandidaten gelten der Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer, Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg und Glos' Staatssekretärin Dagmar Wöhrl. Zudem hat sich CSU-Schatzmeister und Unternehmer Thomas Bauer ins Spiel gebracht.

Die Chancen Bauers wurden allerdings in Unionskreisen skeptisch eingeschätzt. Die Nachfolgediskussion dürfte ein Grund für das Rücktrittsangebot Glos' gewesen sein. In CSU-Kreisen hieß es, der Wirtschaftsminister habe souverän über sein Ausscheiden aus dem Amt entscheiden und einer Diskussion über seine Person auch in der eigenen Partei zuvorkommen wollen.

Derweil steht offfenbar ein Treffen von Seehofer mit Glos unmittelbar bevor. Das Gespräch werde in Kürze stattfinden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Sonntagabend aus CSU - Kreisen. Wo das Treffen stattfindet, wurde geheim gehalten. Es gilt als wahrscheinlich, dass Seehofer versuchen wird, so schnell wie möglich einen Nachfolger für Glos zu verkünden.

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