Nach dem Tarifabschluss
Wirtschaft geteilter Meinung

Vor allem die von den Tarifparteien vereinbarte Möglichkeit für Flexibilisierungen der Arbeitszeit, die unter bestimmten Voraussetzungen in Teilen der Betriebe bis zu 40 Stunden pro Woche zulassen, ist bei Firmen und Finanzexperten auf Kritik gestoßen. Die Gewerkschaft müsse diesen Schritten zustimmen, und somit werde den Unternehmen nicht genügend Eigenverantwortung gegeben.

HB FRANKFURT. Positiv aufgenommen wurde jedoch, dass durch die Einigung ein Streik abgewendet wurde. Volkswirte sprachen von einem „Tippelschritt in die richtige Richtung“. Am Frankfurter Aktienmarkt profitierten am Donnerstag besonders die Aktien von Maschinenbauunternehmen und Autokonzernen von der Einigung.

„Bei diesem Abschluss ist nicht zu erkennen, wie dem wichtigen Ziel der Beschäftigungssicherung oder gar einem Beschäftigungsaufbau Rechnung getragen worden ist“, sagte ein Sprecher des Siemens-Konzerns. Die vereinbarten Einkommenserhöhungen würden weitere Produktivitätsmaßnahmen erfordern und damit den Druck auf die Arbeitsplätze verstärken. Ob die vereinbarten Möglichkeiten für abweichende Tarifregelungen auf betrieblicher Ebene in der Praxis geeignet seien, Verbesserungen zu bringen, müsse sich erst noch erweisen.

Die am Donnerstagmorgen in Pforzheim erzielte Einigung der Metall-Tarifparteien sieht unter anderem Einkommenserhöhungen um 2,2 % ab 1. März 2004 und um 2,7 % ab 1. März 2005 bis Februar 2006 vor. Zur Arbeitszeit sieht der Kompromiss vor, dass bei besonders qualifizierten Belegschaften der bisher geltende Anteil der Mitarbeiter, der bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten darf, von 18 auf 50 % erhöht werden kann.

Der Münchner Autobauer BMW begrüßte, dass sich Gewerkschaft und Arbeitgeber schnell auf einen Tarifvertrag geeinigt und somit weitere Warnstreiks verhindert hätten. Positiv sei auch die lange Laufzeit des Vertrages. Europas größter Automobilkonzern Volkswagen wollte den Tarifabschluss nicht kommentieren, da VW einen eigenen Haustarifvertrag habe, der noch bis September 2004 gültig sei. Der Investitionsgüterkonzerns ThyssenKrupp wollte sich erst zu dem Abschluss äußern, wenn er flächendeckend gelte.

Der Thyssen-Krupp-Betriebsrat bezeichnete die Tarifeinigung als guten Kompromiss. „Das ist ein toller Erfolg. Ich wünschte mir, dass der Vertrag in allen anderen Tarifbezirken übernommen würde“, sagte Betriebsratschef Thomas Schlenz. Sowohl der Arbeitgeberverband Gesamtmetall als auch der IG-Metall-Vorstand empfahlen den anderen Tarifbezirken die Übernahme des Abschlusses, der damit Pilotcharakter erhält. Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) äußerte die Hoffnung, dass der Abschluss Vorbildfunktion haben werde.

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