Nach dem Unicef-Skandal
Hilfsorganisationen geloben Besserung

Nach dem Unicef-Skandal wollen die deutschen Hilfsorganisationen Vertrauen zurückgewinnen. Die Welthungerhilfe und die Kindernothilfe haben dazu am Montag in Berlin einen Neun-Punkte-Plan für mehr Transparenz vorgelegt. Die in die Krise geratene Hilfsorganisation Unicef wird frühestens jedoch frühstens 2010 das ihr aberkannte Spendensiegel zurückbekommen.

HB BERLIN. Mit der Initiative wollen die Hilfsorganisationen für mehr Offenheit, einheitliche Standards, stärkere Kontrolle und eine bessere Vergleichbarkeit der Organisationen werben. Zu den 14 Erstunterzeichnern der Transparenzinitiative gehören unter anderem Arbeiterwohlfahrt International, Care, die Christoffel-Blindenmission, das Deutsches Komitee für Unicef und Oxfam.

Vertrauen sei das Kapital einer Spendenorganisation, sagte der Chef der Kindernothilfe, Jürgen Thiesbonenkamp. „Um es zu erhalten, bedarf es ehrlicher und transparenter Kommunikation.“ Ähnlich äußerte sich Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe und einer der Initiatoren des Plans: „Unsere Währung ist Vertrauen, und wenn wir das verlieren, laufen wir Gefahr, dass sich unsere Unterstützer von uns abwenden. Das aber wäre fatal, denn von unserer Arbeit hängen Menschenleben ab“

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) will bis Ende des Jahres zusätzlich zum Neun-Punkte-Plan einen Verhaltenskodexes für Hilfsorganisationen erarbeiten. Außerdem sprachen sich die Hilfsorganisationen – darunter auch Unicef – für eine Stärkung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) aus, von dem das Spendensiegel vergeben wird. Dieses Siegel gilt zwar als Garant für die Seriosität einer Hilfsorganisation. Aber „nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht“, sagte Preuß. Vor allem bei kleineren Organisationen werde die Wirksamkeit von Hilfsprojekten unzureichend überprüft. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken plädierten die Organisationen dafür, die Vergabekriterien für das DZI-Spendensiegel zu verschärfen. Außerdem wollen die Hilfsorganisationen über eine niedrigere Obergrenze für Verwaltungs- und Werbeausgaben diskutieren.

Gleichzeitig müsse aber deutlich gemacht werden, dass Hilfsorganisationen nicht ohne Werbung und Verwaltung arbeiten könnten, betonte Jürgen Thiesbonenkamp. „Wir müssen anscheinend mit dem noch weit verbreiteten Irrglauben aufräumen, dass Hilfswerke, die viele Millionen Euro im Jahr in Armutsbekämpfung und Entwicklung investieren, dies zum Nulltarif tun können.“ Projektarbeit und Spendenwerbung kosteten viel Geld, und dies müsse auch künftig aus Spendenmitteln aufgebracht werden. Im Plan heißt es, „unredliche Versprechen wie etwa eine 100-prozentige Mittelweiterleitung in die Projekte sind kritisch zu hinterfragen“.

Über den Plan hinaus erwägen die Organisationen einen Verhaltenskodex, der auch Sanktionen für schwarze Schafe vorsehen soll. „Da könnte man sich zum Beispiel fragen: Gibt es eine Handhabe über das Steuerrecht?“, sagte Generalsekretär Preuß. Denkbar sei, unseriösen Spendensammlern die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Unicef war im Februar wegen undurchsichtigen Finanzgebarens in Verruf geraten. Das DZI hatte dem Kinderhilfswerks daraufhin schon das Spendensiegel entzogen.

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