Nach der Landtagswahl in Bayern
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Die Jagd ist eröffnet: Nach der deutlichen Niederlage bei der Landtagswahl wird es für allem für CSU-Parteichef Huber eng. Noch klammert er sich an sein Amt, doch mit Horst Seehofer bringt schon der neue Heilsbringer der CSU seine Bataillone in Stellung.

MÜNCHEN. Die Jagd auf Erwin Huber eröffnet Edmund Stoiber. „Das ist für mich der bitterste Moment gewesen in meinem politischen Leben“, entfährt es dem aus dem Amt gedrängten früheren bayerischen Ministerpräsidenten am Morgen nach der „Watsch'n-Wahl“ für die CSU.

Was schon erstaunlich ist: Der bitterste Moment war offenbar nicht seine Niederlage als Kanzlerkandidat gegen Gerhard Schröder, auch nicht die Flucht aus Berlin aus dem Amt des Superministers, geschweige denn der Sturz durch seine politischen Erben Günther Beckstein und Huber. Ausgerechnet an diesem Morgen, als Polit-Rentner, stuft Stoiber die 43,4 Prozent der CSU als „bittersten Moment“ ein. Und schiebt dann hinterher: Im kommenden Jahr stünden Europa- und Bundestagswahlen an. „Wir haben nicht viel Zeit.“ Willkommen im Intrigantenstadel der CSU.

Was für Parteichef Huber der Anfang vom politischen Ende sein könnte, ist offenbar für einen anderen Mann aus der Parteispitze eine mehr als gute Nachricht. Horst Seehofers schelmisches Lächeln spricht Bände, als er am späten Montagvormittag vor der Münchener Parteizentrale aus seiner Limousine steigt. Der Parteivize, der vor einem Jahr in einer Schlammschlacht um sein Privatleben die Kampfkandidatur gegen Huber verloren hat, genießt den Augenblick sichtlich.

Seehofer schreitet gemächlichen Schrittes die wenigen Meter zum Eingang. „Nur ein Wort, sagen Sie nur einen Satz“, ruft ein Journalist aus dem riesigen Medienpulk dem vermeintlichen Heilsbringer der CSU zu. Doch Seehofer zeigt wie immer, wenn es für ihn bestens läuft, sein spitzbübischstes Lächeln und schweigt. Warum soll er jetzt schon reden? Die Ereignisse für Huber und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein überschlagen sich auch ohne ihn.

Ein halbe Stunde zuvor hat bereits eine Nachrichtenagentur per Eilmeldung verkündet: „CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer wird abgelöst.“ Das habe der CSU-Vorstand einstimmig beschlossen. Zwar zieht die Agentur später die Meldung zurück und berichtet, dass lediglich der Vorstand des Bezirks München beschlossen habe, Haderthauers Rücktritt zu fordern. Doch in der aufgewühlten Lage reicht das, um dem Führungsduo der CSU einen weiteren Tiefschlag zu versetzen. Auch für Huber selbst kommt es ganz dick. Eine Umfrage ergibt, die Mehrheit der Bayern wünsche sich Beckstein weiter als Regierungschef. Doch nur 29 Prozent sind der Ansicht, dass Huber weiterhin CSU-Parteichef bleiben sollte.

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