Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden: Verstaubt, steif, konservativ?

Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden
Verstaubt, steif, konservativ?

Bei der OB-Wahl in Wiesbaden verliert schon wieder ein CDUler gegen einen SPD-Mann. Und führt damit einen Trend fort. Doch das liegt nicht nur an der Struktur der Landespartei.
  • 23

DüsseldorfEs ist ein Knaller: Bei der Stichwahl zur OB-Wahl in Wiesbaden gewinnt der SPD-Herausforderer Sven Gerich (50,8 Prozent) gegen den bisherigen CDU-Oberbürgermeister Helmut Müller (49,3 Prozent). Damit hatte niemand gerechnet –zumindest die beiden Kandidaten nicht. „Ich gebe ganz ehrlich zu: Ich habe das Ergebnis nicht erwartet“, sagt der Verlierer. Und Gerich sagte Handelsblatt Online: „Ganz ehrlich: Mit dem Ergebnis hat doch niemand gerechnet.“

Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe – überall hat die Partei die vergangenen Wahlen verloren, es ist schon fast ein Trend, der sich da abzeichnet. Doch wo liegen die Gründe für die Verliererserie der CDU? Einer der wichtigsten: „Die CDU hat ein Problem, das großstädtische Lebensgefühl zu verkörpern“, sagt Wahlforscher Jens Walther vom Institut für Parteienrecht und Parteiforschung der Uni Düsseldorf Handelsblatt Online. „Es sind vor allem die sozial-ökologischen Themen, die ein urbanes Lebensgefühl ausmachen.“ Zum Beispiel die Themen Integration, Betreuungsgeld und Homoehe.

Doch genau da gibt es auf der Bundesebene Streit. Während sich das Kabinett um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei dem Thema offen zeigt, hält CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dagegen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß vom konservativen Berliner Kreis der Union sagte Handelsblatt Online. „Es wird keine Gleichstellung geben. Und auch der Koalitionsvertrag ermächtigt die FDP zu keinem voreiligen Handeln.“

Die Zankereien haben Folgen – auch für die Kommunalpolitik: „Von der modernen Einstellung Merkels kommt auf kommunaler Ebene nichts an“, sagt Walther. Das liegt natürlich nicht nur an den Streitigkeiten auf Bundesebene. Sondern auch an der jeweiligen Landespartei, die manchmal verstaubt und steif wirkt: „Die Hessische CDU vertritt sehr deutlich ihren traditionell konservativen Markenkern.“

Kommentare zu " Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden: Verstaubt, steif, konservativ?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man sollte sich da keine Illusionen machen:
    Das Modell "Große Koalition" geht immer. Nichtwähler zählen nicht, die Parteien haben zusammen immer 100% Stimmenanteil.
    Merkels Gesicht nach der BW im Herbst wird nicht länger sein als sonst auch. Sie wird Kanzlerin bleiben. Der Euro (zunächst) auch.

  • Au ja ich möchte auch "blund und blau seit". Sie verkörpern den typischen CDU-Wähler, nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und Angst vor jeglicher Veränderung. Ich zahle den Spitzensteuersatz und bin klar für die Erhöhung der Steuern, eine Erbschafts- und Vermögenssteuer, einen Mindestlohn noch dazu. Eine dermassen unverschämte Umverteilung von unten nach oben muss ein Ende haben. Wer in einer Grossstadt die CDU wählt ist entweder Masochist oder aus dem ländlichen Raum zugezogen, ansonsten stehen die Christdemokraten für keinerlei Kompetenz in den Metropolen und sind daher unwählbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%