Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden Verstaubt, steif, konservativ?

Bei der OB-Wahl in Wiesbaden verliert schon wieder ein CDUler gegen einen SPD-Mann. Und führt damit einen Trend fort. Doch das liegt nicht nur an der Struktur der Landespartei.
23 Kommentare
Der ehemalige Oberbürgermeister von Wiesbaden, Helmut Müller (CDU) und die  Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Quelle: dpa

Der ehemalige Oberbürgermeister von Wiesbaden, Helmut Müller (CDU) und die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist ein Knaller: Bei der Stichwahl zur OB-Wahl in Wiesbaden gewinnt der SPD-Herausforderer Sven Gerich (50,8 Prozent) gegen den bisherigen CDU-Oberbürgermeister Helmut Müller (49,3 Prozent). Damit hatte niemand gerechnet –zumindest die beiden Kandidaten nicht. „Ich gebe ganz ehrlich zu: Ich habe das Ergebnis nicht erwartet“, sagt der Verlierer. Und Gerich sagte Handelsblatt Online: „Ganz ehrlich: Mit dem Ergebnis hat doch niemand gerechnet.“

Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe – überall hat die Partei die vergangenen Wahlen verloren, es ist schon fast ein Trend, der sich da abzeichnet. Doch wo liegen die Gründe für die Verliererserie der CDU? Einer der wichtigsten: „Die CDU hat ein Problem, das großstädtische Lebensgefühl zu verkörpern“, sagt Wahlforscher Jens Walther vom Institut für Parteienrecht und Parteiforschung der Uni Düsseldorf Handelsblatt Online. „Es sind vor allem die sozial-ökologischen Themen, die ein urbanes Lebensgefühl ausmachen.“ Zum Beispiel die Themen Integration, Betreuungsgeld und Homoehe.

Doch genau da gibt es auf der Bundesebene Streit. Während sich das Kabinett um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei dem Thema offen zeigt, hält CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dagegen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß vom konservativen Berliner Kreis der Union sagte Handelsblatt Online. „Es wird keine Gleichstellung geben. Und auch der Koalitionsvertrag ermächtigt die FDP zu keinem voreiligen Handeln.“

Die Zankereien haben Folgen – auch für die Kommunalpolitik: „Von der modernen Einstellung Merkels kommt auf kommunaler Ebene nichts an“, sagt Walther. Das liegt natürlich nicht nur an den Streitigkeiten auf Bundesebene. Sondern auch an der jeweiligen Landespartei, die manchmal verstaubt und steif wirkt: „Die Hessische CDU vertritt sehr deutlich ihren traditionell konservativen Markenkern.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ist die CDU in den Städten auf dem Weg aufs Abstellgleis?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden - Verstaubt, steif, konservativ?

23 Kommentare zu "Nach der Niederlage der CDU in Wiesbaden: Verstaubt, steif, konservativ?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Man sollte sich da keine Illusionen machen:
    Das Modell "Große Koalition" geht immer. Nichtwähler zählen nicht, die Parteien haben zusammen immer 100% Stimmenanteil.
    Merkels Gesicht nach der BW im Herbst wird nicht länger sein als sonst auch. Sie wird Kanzlerin bleiben. Der Euro (zunächst) auch.

  • Au ja ich möchte auch "blund und blau seit". Sie verkörpern den typischen CDU-Wähler, nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und Angst vor jeglicher Veränderung. Ich zahle den Spitzensteuersatz und bin klar für die Erhöhung der Steuern, eine Erbschafts- und Vermögenssteuer, einen Mindestlohn noch dazu. Eine dermassen unverschämte Umverteilung von unten nach oben muss ein Ende haben. Wer in einer Grossstadt die CDU wählt ist entweder Masochist oder aus dem ländlichen Raum zugezogen, ansonsten stehen die Christdemokraten für keinerlei Kompetenz in den Metropolen und sind daher unwählbar.

  • ......Ihr werdet Euch alle noch wundern, wenn die Sozies drankommen sollten. Hoffentlich nicht, hoffentlich. Sie dürfen zu diesem wichtigen Termin nicht das Ruder übernehmen. Und wenn, werden sie Euch die Hosen und Hemden vom Leib holen. Sie werden Euch mit neuen Steuern zupflastern, daß Ihr keine Luft mehr bekommt. Dieser Steinbrück, versteckt unter dem Mantel des Biedermannes, wird mit Euch kurzen Prozess machen. Dieser unberechenbare Mensch darf nicht an die Macht kommen. Er wird Euch die letzten Taler aus dem Portemonaie holen und Ihr werdet zahlen, bis Ihr blund und blau seit. Die Franzosen bereuen, daß sie diesen unfähigen Mann gewählt haben. Dieser Sozialist, wie alle mit gleichem Parteibuch,
    können nur eins, die eigene Klientel zu sichern über den Weg der Steuereintreibung und nachfolgender Verteilung der Mittel. Was ist zu tun? Die Sozies nicht zu wählen.

  • stehengeblieben sind die Bundesparteien ab Mitte der neunziger Jahren dass ist FAKT;
    Da hilft auch kein Pfeiffen im Walde von Frau MERKEL
    = wir haben die beste Bundesregierung aller Zeiten =
    Allez HOPP, Fasching ist vorbei , der Waehler scheint
    nun doch langsam aufzuwachen.

  • Das Problem von Herrn OB Müller bestand darin, dass er 6 Jahre lang Politik für das bürgerliche, Hochglanz-Wiesbaden gemacht hat. Die normale Bevölkerung hat in seiner Politik keine Rolle gespielt. Auch kann ich ein Gemeinwesen nicht ausschließlich als "Konzern" begreifen... Und die Bürger dann in logischer Schlussfolgerung als "Humankapital"!? Nein, OB Müller ist an seinem eigenen Amtsverständnis gescheitert, an nichts sonst.

  • Auf die Bundes-Parteien mag die Verwechselungsgefahr schon zutreffen. Keinesfalls jedoch auf die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Wiesbaden. Der promovierte Jurist und Büroleiter von Ex-MP-härtestmöglicher-Aufklärer Koch und auf der anderen Seite der gelernte Drucker, Adoptivsohn und bekennender Homo Gerich. Gegensätzlicher können Kandidaten wohl kaum sein.

  • Mal ganz ehrlich, was will man mit so einer Gurkenpartei wie die verstaubte CDU in Hessen noch anfangen.

  • komisch, dass die sogenannten "Volksparteien" die Unzufriedenheit Ihrer Waehler am liebsten abqualifizieren
    wollen. Das "VOLD" bewegt sich, irgendwie !

  • jetzt warten wir mal ab vielleicht bekommen wir doch noch eine waehlbare liberale Partei der Mitte, von mir auch mit einem kleinen rechtsdrall . Schaden wird dies sowohl der FDP also auch der CDU/CSU, Mehrheiten koennen sich rasch veraendern und das ist gut so, meine ICH.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%