Nach der Sommerpause
Angela Merkel: Kanzlerin um jeden Preis

Viele Manager kennen das Phänomen, Angela Merkel kennt es auch. Der Urlaub ist lange vor seinem offiziellen Ende vorbei. Und deshalb hat die Kanzlerin vorgesorgt.

BERLIN. Offiziell ist Merkel erst seit Mittwoch wieder im Amt - in Wahrheit aber bereitet sie schon seit Tagen ihren Wiedereintritt in die Politik vor. Gerade in der beginnenden Wahlkampfzeit will ein Rentrée minutiös vorbereitet sein. Und vor allem von Merkel, die mediale Kontrolle über alles schätzt.

Als sie am Mittwoch im Kanzleramt den Saal betritt, in dem sie wieder offiziell das Bundeskabinett leitet, hat sie deshalb gründliche Vorarbeit geleistet. Als man sich mit "Hallo" und "Wie war der Urlaub?"-Fragen begrüßt, wissen alle Kabinettsmitglieder bereits, was die Kanzlerin von ihnen hält.

Im RTL-Sommerinterview, aufgezeichnet in einem Biergarten in Berlin, hatte Merkel schließlich schon Dienstagabend Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in der Dienstwagenaffäre abgewatscht. Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat Franz-Walter Steinmeier (SPD) stellte sie mit seinem "Deutschland-Plan" kurzerhand in die Ecke der nebulösen und unseriösen Politik-Versprecher.

Aber weil die Kanzlerin ihre Kritik so locker in die sommerliche Gesprächsatmosphäre eines Privatsenders verpackt, nimmt sie den Aussagen die Schärfe. Merkel mimt die Mutter der Nation, nicht die CDU-Vorsitzende - und redet im nachsichtigen Ton über all die Dummheiten, die ihre Minister während ihrer Abwesenheit wieder einmal angestellt haben.

Auf keinen Fall, das ist erklärte Strategie der Union, soll die Kanzlerin als Wahlkämpferin erscheinen. Um bei der Bundestagswahl am 27. September den Bonus als Regierungschefin voll einfahren zu können, muss sie so lange wie möglich das Land regieren - auch wenn es gar nichts mehr zu regieren gibt. Trotz erster Dellen in den Umfragen will sie sich von nervösen Parteifreunden nicht zu früh in die Niederungen des Wahlkampfes treiben lassen.

In der Kabinettssitzung herrscht deshalb am Mittwoch wieder einträchtig gute und geschäftige Stimmung. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betont sogar, wie eng Angela Merkel doch mit Ulla Schmidt beim Thema Schweinegrippe-Bekämpfung sei. Ein Herz und eine Seele, obwohl die Kanzlerin der Gesundheitsministerin gerade den größtmöglichen Vorwurf gemacht hatte, der zwischen Politikern denkbar ist: den des Realitätsverlustes.

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