Nach der Wahl
Lange Wunschliste für Joachim Gauck

Die Zeit des Lobens ist vorbei. Kaum ist Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden, werden erste Wünsche laut - und die fallen nicht zu knapp aus. Aber die ersten Stimmen warnen vor zu hohen Erwartungen.
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Leipzig/PassauDer Präsident als Projektionsfläche: Nach der Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten formulieren SPD und CSU ihre Erwartungen an das neue Staatsoberhaupt. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte am Montag, Gaucks Amtszeit sei eine Chance, das „fürchterlich ramponierte Amt des Bundespräsidenten“ wieder zu der Reputation zu führen, die es früher hatte. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, er halte die Unabhängigkeit Gaucks von Parteien für einen Vorteil. Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth erklärte, Gauck könne ein echter Bürgerpräsident werden - und DGB-Chef Michael Sommer wünscht sich einen Bundespräsidenten, der sich das Thema soziale Gerechtigkeit auf die Fahne schreibt.

Gauck nimmt am Montag seine Amtsgeschäfte auf. Die Bundesversammlung hatte den 72-jährigen Theologen am Vortag mit gut 80 Prozent der Stimmen zum Nachfolger des im Februar zurückgetretenen Christian Wulff gewählt.

Der SPD-Vorsitzende Gabriel sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Schon in seiner Rede unmittelbar nach seiner Wahl hat Joachim Gauck deutlich gemacht, dass zur Freiheit für das einzelne Individuum auch die Verantwortung für die Menschen in unserer Gesellschaft gehört.“ Verantwortung bedeute auch, niemanden im Land zurück zu lassen, dafür zu sorgen, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben.

Seehofer sagte, nach seinen bisherigen Begegnungen mit Gauck gehe er sicher davon aus, dass der Präsident seine Unabhängigkeit auch nutzen wird. „Er wird manchen Diskurs auslösen und keine politische Seite wird ihn vereinnahmen können“, sagte der CSU-Vorsitzende. Seehofer warnte davor, von einem idealen Präsidenten als Typ zu sprechen. „Wenn etwas ideal wirkt, dann sind das meist Kunstfiguren, die gern von den Medien und der Öffentlichkeit entsprechend konstruiert werden - aber der Praxis nicht standhalten“, sagte er.

Nach Meinung des DGB-Chefs Michael Sommer sollte Gauch wiederum zunächst ein “europapolitisches i-Tüpfelchen” setzen. “Er soll deutlich machen, dass die Perspektive Deutschlands nur in Europa liegen kann”, forderte Sommer im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. “Gerade in der jetzigen Zeit wäre ein wichtiges europapolitisches Wort durchaus am richtigen Platz.”

Kommentare zu " Nach der Wahl: Lange Wunschliste für Joachim Gauck"

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  • Leider haben sie nur zu recht. Überall, wo man hingesehen oder hingehört hat, nur peinliche Speichellecker. Vorneweg Schmalspur-Gabriel mit seinen gefürchteten Plattitüden un Banalitäten!

  • Nach Meinung des DGB-Chefs Michael Sommer sollte Gauch wiederum zunächst ein “europapolitisches i-Tüpfelchen” setzen. “Er soll deutlich machen, dass die Perspektive Deutschlands nur in Europa liegen kann”
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    Herr Sommer soll sich mal keine Sorgen machen. Gauck wird den ESM unterschreiben und die Vernichtung Deutschlands mitmachen, das wird ja von ihm erwartet.
    Ein Interwiev gestern Abend mit ihm, hat das offenbart. Er ist voll auf Linie von Europa und Solidarität und bringt leider immer noch nach 20 Jahren alles mit der DDR in Bezug. Von unserer alten Bundesrepublik weiß er offenbar wenig
    Gauck mag ein guter Mann sein, nur werden wir erleben, dass er den Begriff Freiheit zu sehr mit seiner DDR-Zeit in Verbindung bringt und dass er leider von Politik nichts versteht
    Er wird andererseits aber unbequem sein und ich glaube, viele in der SPD und den Grünen werden sich noch wundern, denn mMn haben sie in nur gewollt um Merkel eins auszuwischen

  • Hier möchte ich zustimmen.
    Es war schon bald ekelhaft wie für Gauck geworben wurde. Das hat es noch nie in der Art in der Budesrepublik gegeben.
    Offenbar hatte die Systempresse/Systemmedien den Auftrag Gauck beim Bürger zu installieren.
    Lt. Umfragen fanden alle Bürger Gauck doch einfach super. Würde man mal genauer nachfragen, würde man feststellen, dass die Mehrheit gar nichts von Gauck weiß und gar nicht genau weiß, wer das ist.
    Aber die Propaganda und Manipulation hat ganz hervorragend funktioniert.
    "Wollt Ihr den totalen Krieg?" - Ja
    "Wollt Ihr Gauck?" - ja

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