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Nach der Wahl: Neue Mitglieder rennen Parteien die Türen ein

Die Bundestagswahl hat eine unerwartete Mobilisierung für die Parteien ausgelöst: Die meisten im Bundestag vertretenen Parteien registrieren seit dem Wahlsonntag einen erheblichen Mitgliederzuwachs: Ganz weit vorn liegt dabei ausgerechnet der große Verlierer der Wahl – die SPD.

Webseite zur Mitgliedschaft bei der SPD: Mehr als 1000 Menschen haben sich nach dem Wahldebakel der Partei bereits hier angemeldet. Quelle: Handelsblatt
Webseite zur Mitgliedschaft bei der SPD: Mehr als 1000 Menschen haben sich nach dem Wahldebakel der Partei bereits hier angemeldet. Quelle: Handelsblatt


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BERLIN. „Seit dem Wahlsonntag haben wir in der Bundeszentrale mehr als 1 000 Eintritte zu verzeichnen“, sagte eine Parteisprecherin auf Anfrage. Und die tatsächliche Zahl dürfte erheblich höher liegen, weil sich die Angabe nur auf die Online-Eintritte bezieht. Zahlen aus den Landesverbänden und Ortsvereinen jedoch, wo die Beitritte bei den meisten Parteien normalerweise registriert werden, liegen bei der SPD noch nicht vor. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte jedoch am Montagabend davon gesprochen, dass allein in Berlin am ersten Tag nach der Bundestagswahl 100 Menschen der SPD beigetreten seien. Ganz offensichtlich, so die Vermutung, gibt es einen Solidarisierungseffekt unter Sympathisanten, die von dem Absturz der SPD geschockt waren.

Lange hatte die Partei vor allem mit Austritten in den Schlagzeilen gestanden. Sie rangierte mit bundesweit 512 706 Mitgliedern Ende August nur noch auf dem zweiten Platz hinter der CDU.

Der Zulauf zur SPD ist aber kein Einzelphänomen. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle verkündete schon am Montag einen Zuwachs von 1 000 Parteimitgliedern – allerdings betrifft dies auch die letzten Tage vor der Wahl, als die Liberalen eine große Mailingaktion gestartet hatten, um neue Mitglieder zu werben. Der Zulauf zu den Liberalen wirkt auf den ersten Blick verständlicher – man gehört gern zu den Siegern. Fast alle siegreichen Parteien verzeichnen deshalb nach Bundestagswahlen einen – zumindest kurzfristigen – Aufschwung. Und die FDP zieht schließlich nach elf Jahren wieder auf die Regierungsbank um.

Auch die CDU als Deutschlands mitgliederstärkste Partei verzeichnete 200 Neueintritte im Umfeld des Wahltages über ihr Onlineportal „CDU.de“. Das klingt nicht viel bei einem Stand von 523 374 Mitgliedern Ende August. Aber in der Parteispitze spricht man von einer „positiven Bewegung“. Genaue Zahlen sind auch bei der CDU mit Verweis auf die dezentralen Strukturen noch nicht erhältlich.

Zufriedenheit herrscht ebenfalls bei der Linkspartei, die in der Opposition bleibt: „Wir haben allein in der Bundesgeschäftsstelle seit Montagmorgen rund 390 Eintritte zu verzeichnen“, sagte Parteisprecherin Alrun Nüßlein. Dreiviertel der Beitritte kämen übrigens aus den alten Bundesländern. Einen ähnlich positiven Zulauf habe man bereits nach den Wahlen Ende August im Saarland und in Thüringen registriert. Damals hatte die Linkspartei gleich 1 500 Mitglieder neu dazu gewonnen.

Die Grünen haben rund um die Wahl mehrere hundert neue Mitglieder gewonnen – genaue Zahlen hat die Zentrale der mit 47 000 Mitgliedern kleinsten im Bundestag vertretenen Partei noch nicht. Das Interesse an der Ökopartei stieg parallel zur Aktion „Drei Tage wach“, mit der die Grünen seit Donnerstagabend vergangener Woche versuchten, letzte Unentschlossene auf die grüne Seite zu ziehen. Weil dies offenbar viele Sympathisanten motivierte, wollen die Grünen nun eine Mitgliederwerbekampagne anschließen, verkündete Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke.

Zuwachs der ganz anderen Art gab es für die Sozialdemokraten in der Bundeshauptstadt: Zwei Tage nach dem SPD-Wahldebakel wechselte im Berliner Landesparlament der 40jährige Linken-Abgeordnete Carl Wechselberg am Dienstag zur SPD über.

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