Nach einer weiteren Auswertung der Pisa-Studie
Pisa-Studie entfacht neue Bildungs-Debatte

Während Bayern Leistungsbereitschaft, Disziplin und Ordnung propagiert und sich gegen den Zeitgeist der Alt-68er stellt, kritisieren Bildungspolitiker der SPD die frühe Aufteilung der Schüler auf Schularten. Die Stimmen mehren sich, die eine stärkere Zusammenarbeit von Bund und Ländern in Sachen Bildung fordern.

HB DÜSSELDORF. Bayern feiert sich als klarer Sieger des Pisa-Ländervergleichs. Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) hat Schülern und Lehrern des Freistaates zum ersten Platz im Pisa-Schulvergleich gratuliert und zugleich die Bildungspolitik anderer Bundesländer attakiert: "Es hat sich als richtig erwiesen, gegen den Zeitgeist der Alt-68er an Werten wie Leistungsbereitschaft, Disziplin, Ordnung und Freude an der Übernahme von Verantwortung festzuhalten", sagte Schneider in München. Bayern hätte sich erneut als deutscher Meister erwiesen, der nun in der Champions League spiele, sagte er weiter. Das Ergebnis sei aber kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern eine "riesige Herausforderung". Schneider forderte, die Kinder frühzeitig und individuell zu fördern, um ihnen die bestmöglichen Startchancen für Beruf und Studium zu eröffnen.

Die SPD forderte angesichts der neuen Pisa-Ergebnisse einen Kurswechsel. Als Konsequenz müsse, so Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), der Ausbau von Ganztagschulen und der Frühförderung vorangetrieben werden. Ganz wahlprogrammkonform sagte die Ministerin in Hannover: "Das letzte Kindegartenjahr muss gebührenfrei sein. Außerdem plädierte Bulmahn für eine längere gemeinsame Schulzeit: "Wir müssen uns fragen, ob die frühe Auslese von zehnjährigen Kindern nach der vierten Klasse der richtige Weg ist." Weitere Anstrengungen seien besonders bei der Lesekompetenz zu unternehmen. Deswegen müssten Bund und Länder gemeinsam dafür sorgen, dass jedes Kind Deutsch könne, wenn es in die Schule komme. SPD-Bildungspolitiker Jörg Tauss zeigte sich in Berlin zwar erfreut, dass das Leistungsniveau auf zentralen Gebieten besser geworden sei. Insgesamt seien die Schülerleistungen aber weiter höchstens durchschnittlich. Auch für Tauss ist es problematisch, dass das Schulsystem zu früh zur Aufteilung auf Schularten führt. Er forderte einen Kurswechsel, um jedes Kind individuell zu fördern. Nach Ansicht der SPD-Bundestagsfraktion müssten Bund und Länder stärker zusammenarbeiten, um bessere Leistungen der deutschen Schüler zu erreichen.

Dem widerspricht die FDP und warnt vor einer neuen Debatte über eine Reform des Schulsystems. "Entscheidend ist vielmehr die frühe individuelle Förderung von Kindern", sagte FDP-Bildungspolitikerin Ulrike Flach in Berlin. Längeres gemeinsames Lernen der Schüler allein reiche nicht. Die FDP hält auch Leistungsorientierung, höhere Bildungsausgaben, eine individuelle Betreuung und die Förderung benachteiligter Gruppen für erforderlich. Deshalb müssten die Reformen der Bundesländer gebündelt werden.

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