Nach Eishallen-Unglück: Regierung dringt auf „Bau-TÜV“

Nach Eishallen-Unglück
Regierung dringt auf „Bau-TÜV“

Nach dem Einsturz-Unglück in Bayern ist in der Bundesregierung eine Diskussion über Bau-Sicherheit entbrannt. Bauminister Tiefensee forderte die Einführung eines „Bau-TÜVs“. Denn bislang werden in Deutschland nur Brücken und Tunnels regelmäßig überprüft. In Bad Reichenhall werden indes die Schuldzuweisungen immer direkter.

HB BERLIN. Reichenhall wird die Schlagzeilen vom verheerenden Einsturz seiner Eissporthalle mit den vielen Toten und von möglicher Schlamperei bei der Sicherheit des Gebäudes so schnell nicht mehr los. Noch sind nicht alle Opfer geborgen, da hat die Suche nach den Schuldigen bereits begonnen. Im Visier der Ermittler: Das Rathaus von Bad Reichenhall und Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier.

Der stets besonnen wirkende Kommunalpolitiker führt das Rathaus ununterbrochen seit 18 Jahren. Heitmeier wurde stets mit satten Mehrheiten wiedergewählt. Zwar muss sich der parteilose OB immer wieder Kritik anhören, zu wenig für die jungen Menschen in der Stadt zu tun. Doch konnten ihm auch seine politischen Gegner bisher wenig vorwerfen. Nach der Katastrophe vom Montag könnte sich dies ändern. Der pausbäckige Mann mit dem gewellten grauen Haar sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt, nicht genug für die Sicherheit der Anfang der siebziger Jahre gebauten Eis- und Schwimmsporthalle getan zu haben.

Am Mittwoch war der 55-Jährige plötzlich bohrenden Fragen zu einem angeblich von der Stadtrats-SPD 2002 in Auftrag gegebenen Gutachten ausgesetzt. Demnach gingen Experten von einer Baufälligkeit des Flachdaches aus. Doch Heitmeier wiegelte wie auch schon die Tage zuvor ab. „Das Dach war nicht sanierungsbedürftig“, erklärt er.

Doch immer mehr Einheimische geben inzwischen die Zurückhaltung auf, mit der sie noch am ersten Tag nach der Katastrophe auf die Schuldfrage reagierten. Ein Eishockeyspieler sagte anonym, beim Training seien stets Eimer aufgestellt worden, „weil Wasser von der Decke tropfte“. Schon lange sei schließlich bekannt gewesen, „dass die Halle marode ist“.

Auch die Bundesregierung mischt sich in die Deabtte ein. „Das tragische Unglück hat uns allen noch einmal die Bedeutung einer ausreichenden Standsicherheit von Gebäuden vor Augen geführt“, sagte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee. Leben und Gesundheit dürften durch Bauwerke nicht in Gefahr geraten. „Jetzt sind die Länder am Zuge.“ Der Präsident des Deutschen Städtetages, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), sowie mehrere Verbände hatten schärfere Regelungen gefordert. Städte und Gemeinden selbst halten verstärkte Kontrollen hingegen nicht für sinnvoll.

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