Nach Gauck-Coup
Die FDP auf Verteidigungs-Tour

Für die FDP ein Coup, für die Koalition ein Test: Nachdem sie den Kampf um die Wulff-Nachfolge gewonnen haben, verteidigen sich die Liberalen in mehreren Zeitungsinterviews: „Es gibt keinen Grund für Rachegefühle.“
  • 20

BerlinMehrere FDP-Politiker haben die Festlegung der Liberalen auf den von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zunächst abgelehnten Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck verteidigt. „Er ist einfach der beste Mann“, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) dem „Mannheimer Morgen“.

„Die FDP hat eine klare Position eingenommen, weil sie der Ansicht war, dass das höchste Staatsamt nicht über einen langen Zeitraum mit jemandem besetzt sein sollte, der erst wieder Vertrauen gewinnen muss. Joachim Gauck hat dieses Vertrauen bereits in der Bevölkerung.“

Niebel lobte den Sinneswandel der Kanzlerin: „Wer neue Erkenntnisse gewinnt, ist in meinen Augen kein Umfaller“, sagte er. „Es ist niemand beschädigt worden, und wir haben einen gemeinsamen Kandidaten gefunden. Es gibt keinen Grund für persönliche Rachegefühle.“

FDP-Chef Philipp Rösler sieht die schwarz-gelbe Koalition nach dem Streit um die Kandidatur des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten nicht als beschädigt an. „Das Vertrauen ist nicht zerstört“, sagte Rösler der Zeitung „Die Welt“.

„Wir haben in den Gesprächen mit der Union lediglich deutlich gemacht, dass unterschiedliches Abstimmungsverhalten von Koalitionspartnern in der Bundesversammlung nichts Ungewöhnliches wäre.“

Rösler sagte: „Eine eigenständige Partei wie die FDP hat auch eine eigene Position.“ Seine Partei habe 1994 sogar Hildegard Hamm-Brücher gegen den Unions-Kandidaten Roman Herzog ins Rennen um die Präsidentschaft geschickt, ohne dass die damalige Koalition unter Helmut Kohl Schaden genommen habe.

FDP-Vize Birgit Homburger sagte den „Stuttgarter Nachrichten“ (Dienstag), ihre Partei habe sich an der Persönlichkeit der Kandidaten orientiert. „Wenn man feststellt, dass die von der Union vorgeschlagenen Kandidaten, was Respekt und Würde des Amtes anbelangt, aus unserer Sicht nicht dem Anforderungsprofil entsprechen, dann muss man selbst den besten Kandidaten vorschlagen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Ringen um einen Kandidaten für die Nachfolge von Christian Wulff am Sonntag mit dem Bruch der schwarz-gelben Koalition gedroht. Die FDP beharrte jedoch auf Gauck.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Gauck-Coup: Die FDP auf Verteidigungs-Tour"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Gauck-Hebamme F.D.P. hat geliefert! Es ist zwar nicht die in Aussicht gestellte Ware, aber auch gut. Schon deshalb, weil nun die C-Parteien endlich einmal die Stirn geboten bekommen haben. Sie waren es doch, die an der Demontage ihres Koalitions-"Wunschpartners" maßgeblich mitgewirkt haben. Die Hotelsteuer wurde doch im Vorfeld ganz massiv von Seehofer und der CSU gefordert. Als sie im Rohr krepierte, flog sie aber nur der F.D.P. um die Ohren - und die war so naiv und ließ sich das gefallen. Auch die überfällige Korrektur bei der Steuerprogression, die den Normalverdiener wieder aus den den Steuersätzen heraus holen sollte, die für "Besserverdiener" gedacht waren, führte zu hämischen Blockaden durch Schäuble und die CDU mit dem Hinweis auf unsere Staatsschulden. Nur komisch ist, dass wenige Monate später horrende Milliardenbeträge für andere Länder geschultert werden konnten! Dass aber ab 2013 trotz der bis dahin weiter gestiegenen Verschuldung diese Korrektur als CDU-Wahlgeschenk möglich erscheint,ist ein Witz; wieder zu Lasten der Pünktchenpartei. Wahlgeschenke sind immer Geschenke, die der Beschenkte selbst bezahlen muss!

  • Rösler sagte: „Eine eigenständige Partei wie die FDP hat auch eine eigene Position.“
    Ein bisschen spät „gebrüllt“ bzw. gemiaut , aber Rösler ist ja kein Löwe und nach den Karnevalsumzügen zu urteilen , nur noch die Mieze-Katze am Halsband durch Fr. Merkel hinterher gezurrt?. Sicher die FDP muss erst wieder ein eigenständiges Profil beweisen, dass sie sich vom Halsband auch ohne weiteres lösen kann. Die nächste Wahl, d.h. die Schleswig-Holstein Landtagswahl gibt bereits einen Anlass dazu und wird es also zeigen, ob die 5% Grenze tatsächlich durchbrochen werden konnte? Wenn nicht? --, bleibt nur der Katzenjammer übrig.

  • Na dann googelt mal alle nach "IM Larve"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%