Nach Gauland-Äußerungen
Grüne empfehlen AfD eine TV-Pause zur Fußball-EM

AfD-Vize Gauland sinniert über den undeutschen Charakter der deutschen Fußballnationalmannschaft und löst damit neue Kritik aus. Die Grünen reagieren mit einem speziellen Ratschlag.

BerlinNach den kritischen Äußerungen von AfD-Vize Alexander Gauland zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft raten die Grünen der rechtspopulistischen Partei zu einer Fernsehpause während der Europameisterschaft in Frankreich. „Wenn Gauland und die AfD den Anblick von Özil, Boateng & Co. nicht ertragen können, sollen sie doch einfach den Fernseher während der EM ausschalten, aber bitte die Öffentlichkeit mit ihren albernen Tiraden gegen unsere Mannschaft verschonen“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Dieter Janecek, dem Handelsblatt.

„Millionen Fußballfans fiebern wenige Tage vor der EM mit dem DFB-Team mit, wir sind stolz auf die Vielfalt unserer Mannschaft, denn diese Vielfalt ist ihre Stärke“, fügte der Vize-Präsident der Berliner Fraktion des offiziellen FC Bayern-Fanclub im Deutschen Bundestag hinzu.

Scharfe Kritik an Gauland äußerte der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg. Man erkenne an seinen jüngsten Aussagen, „dass Herr Gauland ganz bewusst mit rechtspopulistischen Ressentiments spielt“, sagte Sensburg dem Handelsblatt. „Die AfD versucht damit, die Gesellschaft zu spalten. Das werden die demokratischen Parteien aber nicht zulassen.“

Gauland hatte zuvor beklagt, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft „schon lange nicht mehr deutsch“ im „klassischen Sinne“ sei. Profifußball sei „keine Frage der nationalen Identität mehr“, sondern „letztlich eine Geldfrage“, sagte Gauland dem „Spiegel“. „Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne.“

Gauland hatte erst vor wenigen Tagen mit Äußerungen über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng Aufsehen erregt. Er wurde von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit den Worten zitiert, die Leute fänden den dunkelhäutigen Innenverteidiger „als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“. Nachdem dies einen Sturm der Entrüstung auslöste, bestritt Gauland die Aussagen zunächst und sagte der ARD: „Ich kenne mich im Fußball überhaupt nicht aus.“

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