Nach Gerichtsurteil: Seehofer setzt sich für Beschneidung ein

Nach Gerichtsurteil
Seehofer setzt sich für Beschneidung ein

Das Kölner Urteil, rituelle Beschneidungen seien Körperverletzung, hat viele jüdischen Gemeinden entrüstet. Bei seinem Besuch in Jerusalem stellte sich Horst Seehofer auf die Seite der Religion.
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JerusalemDie Bundesregierung soll nach dem Willen von CSU-Chef Horst Seehofer schnell klären, dass Beschneidungen nach jüdischem Ritus in Deutschland weiter ohne Einschränkung möglich sind. Er unterstütze dies „ohne Wenn und Aber“, sagte Seehofer am Montagabend am ersten Tag seines Israel-Besuchs in Jerusalem.

„Ich wünsche mir, dass möglichst bald Klarheit geschaffen wird. Was braucht man da ein halbes Jahr zum Überlegen?“ Er sei deswegen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Kontakt.

Als Zielmarke für die schnelle Klärung nannte Seehofer „Oktober, spätestens November“. Es müsse klargestellt werden, dass „das, was seit tausenden Jahren Praxis ist, auch legalisiert wird“.

Bei den jüdischen Gemeinden in Deutschland und in Israel hatte ein Urteil des Kölner Landgerichts Empörung und Bestürzung ausgelöst, wonach die traditionelle Beschneidung Körperverletzung ist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Beschneidung war und ist legal!
    Im Islam, sowie auch im Judentum ist eine freiwillige Beschneidung zu einem späteren Zeitpunkt kein Problem! Es ist explizit nicht so, wie es gerne von jüdischen Religionsvertretern behauptet wird, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt werden muss. (bitte informieren!)
    Verboten ist die ZWANGSBESCHNEIDUNG. In einem Rechtsstaat zurecht!
    Sie verstößt gegen die ersten 3 Artikel unseres Grundgesetzes.
    Herr Seehofer, warum möchten Sie die wichtigsten Grundrechte per Gesetz einschränken, um eine Zwangsbeschneidung zu ermöglichen, wo es für die Religionsgemeinschaften ganz offensichtlich kein Problem wäre, eine Beschneidung unter Beachtung von rechtsstaatlichen Gesichtspunkten durchzuführen?

  • Da fragt man sich nach Zulassung der Beschneidung bei Jungen, wann auch die noch viel schmerzhaftere beschneidung bei Mädchen zugelassen wird.

    Und Selbstentscheidung des Kindes? Warum sollte man denn in unseren ach so demokratischen Staat auf sowas achten. Da wird in der Tat die Zwangsehe und die öffentliche Steinigung wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

  • "Was braucht man da ein halbes Jahr zum Überlegen?" Was für eine Arroganz spricht aus diesem Satz? Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, Herr Seehofer! Dort sollte schon vor politischen Entscheidungen eine (gesellschaftliche) Debatte über solche Themen stattfinden. Aber nein, nahezu sämtliche Politiker hatten seit dem Urteil nichts besseres zu tun, als den Ausgang dieser Debatte vorwegzunehmen und sich Israel anzubiedern.
    Natürlich ist das ein schwieriges Thema, aber so kann es nicht gehen. Und gerade die Religionsfreiheit sollte doch das Kind vor den Eltern schützen und es nicht vor vollendete Tatsachen stellen.

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