Nach Guttenberg-Rücktritt
Seehofer schießt gegen CDU-Kollegen

Der Rücktritt des Verteidigungsministers hat das politische Klima in der Union vergiftet. CSU-Chef Seehofer kritisiert die CDU-Kollegen Schavan und Lammert scharf, weil sie Guttenberg in den Rücken gefallen seien.
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Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan scharf kritisiert. Er warf den beiden CDU-Politikern in der „Bild“-Zeitung vor, dem zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Rücken gefallen zu sein. „Die Äußerungen von Frau Schavan und Herrn Lammert waren nicht in Ordnung.“

Der bayerische Ministerpräsident bezog sich auf ein nicht dementiertes Zitat Lammerts, der die Plagiatsaffäre als „Sargnagel“ für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet haben soll. Schavan hatte in einem Interview gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin „nicht nur heimlich“. Seehofer sagte: „Das war nicht solidarisch. Zum Selbstverständnis der Union sollte gehören, dass man den eigenen Leuten beisteht, ihnen nicht öffentlich in den Rücken fällt." Seehofer weiter: „Als ich Anfang der Woche davon hörte, war mein Blutdruck deutlich gestiegen. Darüber wird noch zu reden sein - ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt“.

Unterstützung erhält Seehofer aus den Reihen der Schwesterpartei. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte zu den Äußerungen von Schavan und Lammert: „Wenn die beiden Wortmeldungen nicht gekommen wären, hätte ich sie nicht vermisst.“ Der CDU-Politiker fügte am späten Mittwochabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ hinzu: „All das hätte man auch sagen können zu dem Zeitpunkt, als die Fraktion Karl-Theodor zu Guttenberg lautstark und ohne Einschränkung applaudiert hat.“

Er möge es „einfach nicht, wenn man in einer Fraktionssitzung, wenn der Kollege gegenüber sitzt, frenetisch applaudiert“ und anschließend gegenüber Journalisten Kritik an ihm äußere. Bosbach mahnte: „Man sollte den Kollegen ehrlich gegenüber treten und seine
Meinung sagen.“ Außerdem sollte man gerade dann zusammenstehen, „wenn ein Kollege in Bedrängnis ist“.

Zwei Tage nach dem Rücktritt von Guttenberg wird heute der Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums vollzogen. Der bisherige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) tritt an die Stelle des über seine Plagiatsaffäre gestolperten CSU-Politikers. Das Innenministerium übernimmt dafür CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Bundespräsident Christian Wulff wird den drei Politikern zunächst im Schloss Bellevue die Entlassungs- und Ernennungsurkunden übergeben. Anschließend findet im Verteidigungsministerium die Amtsübergabe mit militärischen Ehren statt.

Kommentare zu " Nach Guttenberg-Rücktritt: Seehofer schießt gegen CDU-Kollegen"

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  • Offensichtlich hat die Amigo-CSU
    noch nicht verstanden, was Demokratie ist:
    Die Reihen fest geschlossen?
    Und jeder, der ausschert?
    Am besten, erschossen?

  • Guttenberg hat nicht vorsätzlich getäuscht. Hätte er Vorsatz gehabt, dann hätte er nicht im Lit Verz. und den Fußnoten auf die Fundstellen hingewiesen. Kein vorsätzlicher Täuscher legt die offene Spur zu seiner Täuschung. Daß folgt aus logischen Denkgesetzen.
    Ich beschäftige mich als Verteidiger seit 20 Jahren mit Wirtschaftstrafrecht . Herr zu Guttenberg mag schlampig gearbeitet haben, ein vorsätzlicher Täuscher ist er nicht!
    Die unsachliche und in weiten Teilen unwahre Medienkampagne gegen ihn ist unfair und unerträglich.
    MfG k. Voigt Rechtsanwalt

  • Offenbar hat sich die CSU als konservative Partei aufgegeben und sieht sich eher als "Familie" im sizilianischem Sinn und Stil.

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