Nach jüngster Enthüllung
FDP warnt vor Verschleierung bei Doping-Aufklärung

Eine Studie belegt systematisches und öffentlich gefördertes Doping in Westdeutschland in den 1970er-Jahren. Die FDP warnt Innenminister Friedrich davor, ungemütliche Erkenntnisse bei der Aufklärung zu verschleiern.
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BerlinNach den Enthüllungen über systematisches Doping in der Bundesrepublik Deutschland hat der sportpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Joachim Günther, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu einer lückenlosen Aufklärung ohne Verschleierungen aufgefordert. Die Veröffentlichungen im Dopingbereich hätten ihn „sehr betroffen“ gemacht, sagte Günther Handelsblatt Online. „Ich erwarte eine umgehende Offenlegung der Studie im Sportausschuss des Bundestages.“ Er gehe davon aus, dass Innenminister Friedrich schnell reagieren werde. „Dabei darf es nicht zu Verschleierungen dieser unrühmlichen Vergangenheit kommen, wenn wir in Zukunft wieder fairen Sport sehen wollen.“

Der Sportausschuss wird voraussichtlich Anfang September auf einer Sondersitzung zu der Sache beraten. „Die SPD-Fraktion hat eine Sondersitzung schon beantragt. Am Montag werde ich die Obleute informieren und Bundestagspräsident Norbert Lammert offiziell um die Genehmigung bitten“, sagte die Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag.

Hintergrund ist ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ über eine unveröffentlichte Studie der Humboldt Universität zu Berlin. Demnach finanzierte der Staat in den 1970er-Jahren Versuche zur Erforschung von leistungssteigernden Substanzen über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Die Studie lege den Schluss nahe, dass die Politik Doping nicht nur gebilligt, sondern auch gefördert habe.

Möglicherweise werde die Ausschusssitzung am 2./3. September stattfinden können, da dann der Bundestag ohnehin zu Haushaltsberatungen zusammenkomme. „Die FDP hat mir bereits telefonisch ihr Einverständnis mitgeteilt“, berichtete die SPD-Politikerin. Dass die Parlamentarier über die Ergebnisse der Studie durch den Zeitungsbericht informiert wurden, empört auch Freitag. „Natürlich ist das ein Unding“, meinte sie. Das Thema habe auf zwei Sportausschusssitzungen auf der Tagesordnung gestanden und zweimal sei auf Datenschutzprobleme verwiesen worden.

Das Bundesinnenministerium hat den Vorwurf der Vertuschung im Zusammenhang mit der Studie über die Doping-Vergangenheit in der alten Bundesrepublik „entschieden“ zurückgewiesen. „Das Bundesinnenministerium hat großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung und Bewertung der Dopingvergangenheit in beiden Teilen Deutschlands“, betonte ein Sprecher am Sonntag. Das Ministerium werde gegenüber dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft darauf hinwirken, dass der Bericht möglichst bald veröffentlicht werde und „damit einer umfassenden fachsportlichen und politischen Diskussion und Bewertung zugänglich ist“.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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