Nach Jung-Rücktritt
Von der Leyen und Köhler mit neuen Aufgaben

Nur knapp vier Stunden hat Bundeskanzlerin Merkel gebraucht, um nach dem Rücktritt von Arbeitsminister Franz Josef Jung ihr Kabinett umzubauen. Die bisherige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wechselt ins Arbeitsministerium. Und auch eine neue Familienministerin ist mit Kristina Köhler schon gefunden – 32 Jahre alt, ledig und frisch promoviert.
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HB BERLIN. Neue Familienministerin wird die hessische CDU-Abgeordnete Kristina Köhler aus Wiesbaden. Sie wird die jüngste Bundesministerin im zweiten Kabinett Merkels. Der Amtswechsel ist bereits für Montagmorgen vorgesehen. Die neue schwarz-gelbe Koalition musste damit nach nur einem Monat zum ersten Mal das Kabinett umbilden. Die Opposition sprach von einem klassischen „Fehlstart“ für Schwarz-Gelb.

Die neue Bundesfamilienministerin Köhler sagte, sie wolle an die Arbeit ihrer Vorgängerin von der Leyen anknüpfen. „Ich will ihre erfolgreiche Familienpolitik fortsetzen“, kündigte sie am Freitagabend im ZDF an. Von der Leyen sei eine „ganz tolle Familienministerin“ gewesen. „Das sind wirklich sehr große Fußstapfen, in die ich da trete.“ Die von ihrer Vorgängerin angestoßene Kinderbetreuung müsse in den kommenden Jahren vollends in die Tat umgesetzt werden.

Köhler skizzierte zugleich neue Themen, denen sie künftig vermehrt Aufmerksamkeit schenken will. Sie nannte die gezielte Förderung von Jungen im Kindergarten und in der Grundschule, die dort oft weniger Fortschritte machten als Mädchen. Zudem wolle sie sich um das Thema „junge Väter“ kümmern. „Man darf nicht glauben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur ein Thema von jungen Müttern ist. Auch junge Männer haben da ein Problem, oft sogar ein größeres.“

Bundesministerin Ursula von der Leyen freut sich auf ihre neue Aufgabe im Arbeitsressort. „Ich bin mir der Verantwortung einer Arbeits- und Sozialministerin gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sehr bewusst“, erklärte die bisherige Familienministerin am Freitagabend in Berlin. Die wirtschaftliche Lage sei schwierig. Die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt sei „drückend spürbar“. Auch stünden wichtige und komplexe Reformen an. „Ich möchte mich dieser Aufgabe mit allem mir möglichen Einsatz stellen“, erklärte die CDU-Politikerin. Sie habe „erste Erfahrungen mit der Breite der Sozialpolitik als Sozialministerin in Niedersachsen machen dürfen“. Als Familienministerin habe sie in den Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Langzeitarbeitslosigkeit und Verbesserung der Arbeitsmarktchancen insbesondere für Alleinerziehende viel mit dem Bundesarbeitsministerium und der Bundesagentur für Arbeit zusammengearbeitet.

Die 51-Jährige von der Leyen gilt als politisches Schwergewicht und Vertraute Merkels. Köhler ist weitgehend unbekannt, hatte sich aber in der vergangenen Legislaturperiode im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags einen Namen gemacht Von der Leyen sei als ehemalige niedersächsische Arbeitsministerin und auch durch ihre vierjährige Arbeit als Familienministerin für das Arbeitsressort bestens geeignet, sagte Kanzlerin Merkel. Die Wiesbadener Abgeordnete Köhler habe sich bislang um andere Themen wie Integration gekümmert, als Soziologin bringe sie aber Qualifikationen für das Familienressort mit: „Sie wird als ausgebildete Soziologin eine sehr gute Arbeit leisten“, sagte Merkel. Köhler gehört dem Bundestag bereits seit 2002 an. In Unionskreisen waren zuvor zahlreiche andere Kandidaten als mögliche Jung-Nachfolger genannt worden.

Jung hatte knapp drei Monate nach dem verheerenden Luftangriff mit bis zu 132 Toten und Verletzten in Afghanistan sein Amt niedergelegt. Der 60-Jährige übernahm damit die Verantwortung für unzureichende Informationen während seiner Zeit als Verteidigungsminister. Merkel lobte Jung als „geradlinigen Kollegen“ und „feinen Menschen“.

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  • Kritik muss auch ein bundespräsident ertragen, wie jeder bürger auch. Jetzt die brocken hinwerfen, wo Deutschland vor tiefgreifenden Umbrüchen steht, zeugt von wenig Verantwortung für Deutschland und die Demokratie. Ein bundespräsident ist der erste bürger im Staat aber kein König.
    Hier scheint Herr Köhler ein anderes Verständnis zu haben.

  • Ohne Worte!

    Entlasst sämtliche insassen aus "Neues aus der Anstalt" und weist dafür die komplette Regierung ein.

    Schäuble leidet an Gedächtnisschwund, der ehemalige Verteidigungsminister ist verlogen, die neue Familineministerin ist zwar weder verheiratet, hat keine Kinder, aber weiß doch so unendlich viel von Familien!
    Die Von der Leyen schließt meine Ausführungen in Form einer Rahmenhandlung: Ohne Worte!!!!

    ich fühle mich ganz einfach von dieser Regierung völlig verarscht!!!!

  • Frau Merkel scheint von allen guten Geistern verlassen zu sein. Frau Köhler ist wohl frisch promoviert aber mit 32 Jahren ohne die Lebenserfahrung, die eine Familienministerin haben sollte.

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