Nach Kritik
Althaus-Zukunft: Königsmörder kommen noch

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus galt in seiner Partei als unumstritten. Doch die Landtagswahl, bei der die CDU um fast zwölf Prozent eingebrochen ist, ändert alles. Der Druck auf Althaus, den Rückzug anzutreten, wächst. Daran ändert auch die Unterstützung durch die Bundes-CDU nichts. Experten sehen sich schon an Shakespeare-Dramen erinnert, bei denen die Königsmörder im dritten Akt zuschlagen.

HB BERLIN/ERFURT. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte am Mittwoch in Berlin, er sehe in Thüringen keine innerparteiliche Diskussion über die Rolle von Althaus. Der Landesvorstand habe ihm am Montag einstimmig den Auftrag erteilt, die Sondierungsgespräche zu führen, die am Samstag mit der SPD geführt werden. Nach seinem Kenntnisstand nehme Althaus am Sonntag auch an der offiziellen CDU-Auftaktveranstaltung zur Bundestagswahl in Düsseldorf teil.

Die Thüringer Sozialministerin Christine Lieberknecht sagte nach einer CDU-Fraktionssitzung in Erfurt der Nachrichtenagentur AP: "Wenn die Roten wie ein Hühnerhaufen herumrennen und sich nicht einig sind, werden wir erst recht Geschlossenheit zeigen." Die Partei habe mit Althaus den Wahlkampf bestritten, er werde die Gespräche über eine Koalitionsbildung führen und wieder das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, sagte Lieberknecht, die selbst als mögliche Nachfolgerin genannt worden war.

Zuletzt hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Günter Grüner Althaus aufgefordert, notfalls als Ministerpräsident zurückzutreten, um eine schwarz-rote Regierung zu ermöglichen. Falls sich Althaus und Matschie nicht einigen könnten, sollte Althaus im Sinne der Partei die Konsequenzen ziehen und zurücktreten, sagte Grüner der "Thüringer Allgemeinen" Zeitung. Der Parlamentarier hatte allerdings bei der Landtagswahl am Sonntag nicht mehr kandidiert und wird der neuen CDU-Fraktion nicht mehr angehören.

Aber auch der Präsident des Gemeinde- und Städtebundes in Thüringen und Bürgermeister von Waltershausen, Michael Brychcy, sagte der "Thüringischen Landeszeitung", Althaus sollte sich freiwillig zurückziehen. "Wenn man den Neuanfang will, dann geht es nicht anders", wird das langjährige CDU-Mitglied zitiert.

Nach Ansicht des Erfurter Politologen Dietmar Herz gerät Althaus immer stärker unter Druck der eigenen Partei. "Der CDU wird klar, dass sie ohne Althaus einen besseren Deal mit der SPD bekommt", sagte Herz am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Althaus wird dagegen sehr große Zugeständnisse machen, um sein Amt zu behalten."

Im Moment gebe es allerdings noch niemanden aus der CDU - Führungsriege, der seinen Rücktritt fordere. "Das ist wie in Shakespeare-Dramen: Die Königsmörder kommen immer erst im dritten Akt." Die Sondierungsgespräche von CDU und SPD beginnen am Samstag.

Nach der Wahlniederlage am Sonntag, bei der die CDU knapp zwölf Prozentpunkte und nach zehn Jahren die absolute Mehrheit einbüßte, sei die Zahl der Althaus-Unterstützer stark geschrumpft, sagte der Wissenschaftler. "Er kann eigentlich nur noch auf den Fraktionsvorsitzenden Mike Mohring bauen." Fast alle Mitglieder aus dem Kabinett haben ihren Wahlkreis verloren, einige werden auch nicht über die Liste in den Landtag einziehen.

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