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Nach Kritik: Steinbrück verteidigt seine Gehaltsvorstellungen

Der SPD-Kanzlerkandidat hat nach seiner Aussage, das Gehalt der Kanzlerin sei zu niedrig, viel Kritik einstecken müssen. Doch Steinbrück bleibt bei seiner Meinung: Politiker müssten aussprechen, was sie denken.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält das Gehalt der Bundeskanzlerin für zu gering. Nun rechtfertigt er sich: Als Politiker müsse man Klartext sprechen. Quelle: dpa
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält das Gehalt der Bundeskanzlerin für zu gering. Nun rechtfertigt er sich: Als Politiker müsse man Klartext sprechen. Quelle: dpa

EmdenSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht sich nach seinen Äußerungen über das Gehalt des Bundeskanzlers zu Unrecht in der Kritik. Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt nach der Weihnachtspause verteidigte er seine umstrittene Äußerung, ohne im Detail darauf einzugehen. „Ich glaube, dass Politiker das aussprechen müssen, was sie denken“, sagte Steinbrück am Freitag über seine Äußerung in einem Interview zum Jahreswechsel. „Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass Politiker nicht nach opportunen Gesichtspunkten sich äußern, sondern dass sie sagen, was sie denken. Ansonsten habe ich zu diesem Thema alles gesagt“, sagte der SPD-Politiker ungewohnt zurückhaltend.

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Umso angriffslustiger präsentierte sich Spitzenkandidat Stephan Weil. „Die schwarz-gelbe Landesregierung muss weg. Der Politikwechsel ist zum Greifen nahe“, sagte Weil am Freitag vor etwa 1.500 Parteianhängern in Emden. Mit der Kundgebung in der Nordseehalle läuteten die Sozialdemokraten die heiße Phase des Wahlkampfs in Niedersachsen ein.

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Chefs von NRW-Sparkassen verdienen mehr als die Kanzlerin.

Gegen Betreuungsgeld und Studiengebühren, für höhere Spitzensteuersätze: Weil bezog Stellung. Hart ins Gericht ging er mit der Regierungspartei CDU und deren Ministerpräsident David McAllister. „Mutter schmiert Vater die Brote und über dem Sofa röhrt der Hirsch. Das ist das Familienbild der CDU“, sagte Weil und bezog sich dabei vor allem auf das umstrittene Betreuungsgeld. „Ich will, dass das abgeschafft wird“, sagte er unter Applaus der Anhänger.

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Unterstützung bekam Weil von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der allerdings ungewohnt zurückhaltend agierte. „Eventuell mache ich Bemerkungen, die ich anschließend wieder einfangen muss“, entschuldigte er sich schon zu Beginn seiner Rede unter dem Eindruck der von ihm losgetretenen Debatte über die Höhe des Kanzlergehalts.

Peer Steinbrück - seine Biographie

  • Gebürtiger Hamburger

    Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

  • Zwei Jahre Bundeswehr

    1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

  • Parteieintritt

    1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

  • Studium

    1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

  • Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

    1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

  • Zeit als Referent

    1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

  • Büroleiter in Düsseldorf

    1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

  • Staatssekretär in Kiel

    Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

  • Als Minister zurück in NRW

    1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

  • NRW-Ministerpräsident

    Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

  • Finanzminister

    Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

  • Vortragsredner

    Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Nur einmal kam Steinbrücks gewohnt nassforsche Art durch, als er die Parteianhänger zur Teilnahme an der Wahl aufforderte. „Wer so schlau ist, nicht zur Wahl zu gehen, wird anschließend wahrscheinlich von Leuten regiert, die dümmer sind als er selbst“, sagte er.

Zuvor hatten Steinbrück und Weil die Siag Nordseewerke besucht, einen insolventen Zulieferer für Offshore-Windkraftanlagen. Beide verlangten die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die 700 Beschäftigten. „Wir brauchen diese Transfergesellschaft, um das Fachpersonal zusammenzuhalten“, sagte Steinbrück. Diese Forderung war zugleich Teil eines elf Punkte umfassenden Rettungsplans für die schwächelnde Windenergiebranche auf hoher See, den die niedersächsische SPD am Freitag vorstellte.

Ohne Gnade Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht

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Siag und Windenergie waren auch am Abend in der Nordseehalle zentrale Themen. Die Branche brauche mehr Verlässlichkeit, forderte Steinbrück. Herbeiführen könne dies nur eine Landesregierung unter SPD-Führung. Weil drückte sich, wie häufig an diesem Abend, drastischer aus: „Wir müssen mit dem Klammerbeutel gepudert sein, diese Zukunftsbranche untergehen zu lassen.„

 

  • 03.02.2013, 20:11 UhrLiesmalgenau

    Ich glaube nicht mehr, dass Redakteure das lesen, was sie kommentieren. Sie schrieben: "...unter dem Eindruck der von ihm losgetretenen Debatte über die Höhe des Kanzlergehalts.".
    Ich habe das FAS-Interview gelesen, und da fand ich statt des Lostretens einer Debatte dies. Der FAS-Redakteur fragte: "Verdient die Kanzlerin zu wenig?". Steinbrück antwortete: "Eine Kanzlerin oder ein Kanzler verdient zu wenig..." Wo sehen Sie hier ein Lostreten, wenn einer sachlich und nüchtern eine Frage beantwortet? Wenn man bedenkt, dass alle Zeitungen von diesem Lostreten schwatzten, wird einem ganz wunderlich.

  • 12.01.2013, 09:23 Uhrblockstone

    xxx Eins wird hier komplett übersehen,ungeachtet seiner xxx inhaltlichen aussagen.
    xxx Ich finde es gut das er so offen ist und nicht so
    xxx SCHEINHEILIG wie ANDERE POLITIKER. RESPEKT !!!
    xxx ER LEGT DIE KARTEN AUF DEN TISCH. Lang ist es her wo xxx es mal sowas gegeben hat.

  • 06.01.2013, 23:23 UhrMazi

    Es bietet sich an, auf Steinbrück einzuschlagen. Aber liegt er so falsch?

    Betrachtet man das Problem Steinbrücks aus seiner Sicht, dann übt er nichts Anderes als Selbstkritik. Gemessen an seinen eigenen Diäten und Pensionsansprüchen (und dies gilt für alle Abgeordneten), dann erhält der/die Bundeskanzlerin eindeutig zu wenig.

    Das Problem lässt sich aber recht einfach lösen! Es brauchen nur die Diäten und Pensionen der Abgeordneten so gesenkt zu werden, dass die Relation wieder in Ordnung ist.

    Wir kennen doch die Sprache von Steinbrück. Weshalb haben wir dieses korrekte Verständnis seiner Rede nicht gleich erkannt?

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