Nach kurzer Flaute
Deutscher Arbeitsmarkt zieht wieder an

Am Ende hielt der Frühjahrsaufschwung doch nicht ganz, was er zunächst versprochen hatte. Im Juli habe der Arbeitsmarkt aber wieder deutlich an Tempo zugelegt, glauben jedenfalls Volkswirte großer deutscher Geldhäuser.
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NürnbergNach einer kurzen Flaute im späten Frühjahr hat der deutsche Arbeitsmarkt nach Experten-Einschätzung im Juli wieder an Fahrt gewonnen. Zwar sei zum Beginn der Sommerpause saisonbedingt mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 60 000 auf 2,9 Millionen zu rechnen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Abzug von Saisoneffekten sei die Erwerbslosigkeit aber zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder rückläufig. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres gehen die Fachleute von einem Rückgang um gut 10 000 aus. Sie berufen sich dabei auf eigene Berechnungen.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Donnerstag (31. Juli) bekanntgeben.

Trotz der leichten Schwankungen in den vergangenen Monaten sehen die Volkswirte darin keineswegs ein Alarmsignal. Die Verschnaufpause im Mai und Juni sei kaum mehr als eine Korrektur der überraschend guten Entwicklung in den Winter- und Vorfrühlingsmonaten gewesen.

Wegen des milden Winterwetters in diesem Jahr sei die Winterarbeitslosigkeit nur sehr schwach ausgeprägt gewesen, der Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt habe wiederum früher als sonst eingesetzt, erläuterte etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. „Dahinter steckt keine große Konjunktur-Story.“

Uneinheitlich fallen derweil die Expertenprognosen für die zweite Jahreshälfte aus. Während Tuchtfeld und seine Kollege Heiko Peters von der Deutschen Bank bis zum Jahresende saisonbereinigt mit einem Rückgang der Erwerbslosigkeit um rund 50 000 rechnen, zeigen sich andere Volkswirte skeptischer.

Sie befürchten, dass sich das Wachstumstempo in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen und damit Unternehmen dazu veranlassen könnte, bei Einstellungen etwas kürzer zu treten als zunächst geplant. „Insgesamt ist die Stimmung etwas gedämpfter“, berichtet Richard Holstein von der DZ-Bank.

Ein Grund dafür sind nach Holsteins Ansicht, aber auch nach Einschätzung anderer Volkswirte, die derzeitigen „geopolitischen Unsicherheiten“: Viele Unternehmen befürchteten etwa im Zuge der Ukraine-Krise einen Rückgang deutscher Exporte nach Russland und damit eine dämpfende Wirkung auf die Konjunktur.

Commerzbank-Experte Tuchtfeld sieht dafür zwar im Moment noch keine Hinweise: „Die geopolitischen Risiken würde ich im Moment noch nicht so hoch hängen. Aber wenn der Konflikt noch länger anhält, kann das schon auch bei der deutschen Wirtschaft Schleifspuren hinterlassen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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