Nach Merkel-Rüffel
Thierse entschuldigt sich

Das ging Angela Merkel zu weit: Die Kanzlerin hat die Äußerungen von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) über den vermeintlichen Umgang von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) mit dem Schicksal seiner verstorbenen Frau Hannelore scharf kritisiert. Mit dem Bedauern Thierses gab sie sich nicht zufrieden. Sie verlangte mehr – und Thierse reagierte.

HB BERLIN. Nach Rücktrittsforderungen und einem Rüffel der Kanzlerin gab Wolfgang Thierse schließlich nach. Er bat Altkanzler Kohl am Donnerstagabend ausdrücklich um Entschduldigung. Er beharrte im Gespräch mit dem ZDF aber darauf, er habe weder Kritik an Kohl geübt noch ihm einen Vorwurf gemacht und bedauere, wenn ein solcher Eindruck entstanden sei. „Weil ich den Vorwurf nicht erhoben habe, will ich nachdrücklich um Entschuldigung bitten, wenn bei Helmut Kohl dieser Eindruck entstanden ist“, sagte Thierse.

Kanzlerin Angela Merkel hatte die Entschuldigung zuvor ausdrücklich gefordert. „Die Äußerungen von Herrn Thierse sind für mich menschlich zutiefst unverständlich“, sagte die CDU-Vorsitzende der „Bild“-Zeitung. „Sie grenzen für mich an Niedertracht. Wenn er noch einen Funken von Größe hat, muss seinem halben Bedauern umgehend eine wirkliche Entschuldigung folgen.“

Thierse hatte sich in der „Leipziger Volkszeitung“ zum Rückzug von Vizekanzler Franz Müntefering geäußert, der sich künftig um seine schwer kranke Frau kümmern will. Thierse wurde unter Hinweis auf Hannelore Kohl, die sich wegen ihrer Lichtallergie das Leben genommen hatte, mit den Worten zitiert: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“

Die Äußerungen lösten in CDU, CSU und FDP einen Sturm der Entrüstung aus. Unions-Fraktionschef Volker Kauder nannte Thierses Verhalten unanständig und sprach von einem Tiefpunkt im Umgang unter Kollegen. „In der Fürsorge um seine Familie hat es Helmut Kohl an nichts fehlen lassen“, sagte Kauder. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach und sein Fraktionskollege Jürgen Gehb sagten, Thierse habe sich als Bundestagsvizepräsident disqualifiziert. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf Thierse vor, diese jüngste Provokation sei eines Parlamentariers nicht würdig.

Der SPD-Politiker Thierse hatte schon mehrfach Proteststürme in der Union ausgelöst. Zuletzt war ihm von Pofalla der Rücktritt nahe gelegt worden, nachdem er die Entnahme von Geruchsproben bei Gegnern des G-8-Gipfels mit Methoden der Staatssicherheit verglichen hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%