Nach Mordanschlag
Alois Mannichl kämpft weiter

Obwohl ein vermutlich aus der rechten Szene kommender Attentäter ihn fast umgebracht hat, gibt der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl nicht auf. Im Gegenteil: Kaum, dass er aus dem Krankenhaus entlassen worden ist, ruft er öffentlich dazu auf, weiter gegen den Rechtsextremismus zu kämpfen.

dpa PASSAU. Der sonst so sicher auftretende Mann ist schwach, auf der Treppe hält er sich am Geländer fest, er kann kaum sprechen. Doch was er sagt, ist eine Kampfansage an alle Neonazis in diesem Land. Sechs Tage, nachdem Alois Mannichl einen vermutlich von einem Rechtsextremisten ausgeführten Mordanschlag nur knapp überlebt hat, ruft der 52-Jährige am Freitag zum erbitterten Widerstand gegen braune Umtriebe auf. Was der Passauer Polizeidirektor beim Gang aus der Klinik dem Attentäter, dessen Helfershelfern und dem Rest der Rechtsextremisten signalisieren will, ist klar: Ich lasse mich von euch nicht unterkriegen!

Auf dem Weg ins Foyer des Passauer Krankenhauses verfolgen Dutzende Kameras jeden Schritt des soeben entlassenen Patienten. Wenige Meter vor dem Haupteingang bleibt Mannichl stehen und gibt eine Erklärung ab. Seine Ehefrau Anneliese steht dicht bei ihm, um ihn herum zahlreiche Polizisten in Uniform und in Zivil. Sicherlich hätten es Mannichls Kollegen lieber gesehen, wenn sie ihren Chef an einem Nebeneingang hätten abholen können, um dann unbemerkt zu seinem Haus im nahen Fürstenzell zu fahren. Schließlich steht der 52-Jährige seit dem Attentat selbst unter Polizeischutz, mitsamt seiner Familie.

Doch heimlich aus der Klinik verschwinden kam für Mannichl nicht infrage - er zeigt Gesicht gegen die Neonazis. "Aus diesem Grund gehe ich auch heute hier durch diesen Ausgang, um zu dokumentieren: Wir werden im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht nachlassen", sagt der Beamte leise, aber bestimmt in die Mikrofone. Mannichl gönnt den vermutlich rechtsextremistischen Tätern den Triumph nicht, sie hätten den in der rechten Szene verhassten Polizeichef mundtot gemacht. "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir beweisen, dass wir uns von diesen Rechtsextremisten nicht einschüchtern lassen und aufrecht durch das Leben gehen."

Mannichl spricht nicht viel über den "feigen Anschlag" vom vergangenen Samstag, er ruft eher alle Mitbürger zum Widerstand gegen die Neonazis auf. Er bedankt sich bei der Bevölkerung für den Zuspruch, bei den Ärzten, bei den Journalisten für die Berichte. Auch seinen Schutzengel vergisst er nicht: "Insbesondere möchte ich mich bedanken bei unserem Herrgott." Als Mannichl seiner Frau, der Tochter und dem Sohn für den Beistand dankt, kann er kaum noch reden. "Ich habe gewusst, dass mir die Stimme dann versagt", sagt er mit Tränen in den Augen. Dann geht er durch die Tür und steigt ins Auto.

Eine Woche zuvor war Mannichl noch ein Polizeichef wie viele andere, doch schlagartig wurde er durch das Attentat zum derzeit wohl bekanntesten Polizisten der Nation. Den bayerischen Beamten, der immer kompromisslos gegen die rechten Schläger vorgeht und vermutlich deshalb von gewalttätigen Neonazis getötet werden sollte, kennt inzwischen jeder.

Wegen seines Kampfes gegen rechte Gewalt musste Mannichl schon viele Schmähungen insbesondere der NPD im Internet ertragen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" haben die Mitglieder der rechtsextremen Partei seit dem Frühjahr 2007 regelrecht Pläne geschmiedet, um gegen ihn vorzugehen. Mannichl ist nach Angaben des Blattes intern bei der NPD als "demokratischer Schläger" oder zynisch als "geliebter Polizeichef" tituliert worden. Die NPD beteuert allerdings, dass es dabei nur um die Vorbereitung juristischer Auseinandersetzungen gegangen sei und nicht um Gewalt.

Beim für Passau zuständigen Regensburger Polizeipräsidium melden sich seit dem Attentat jedenfalls Menschen aus allen Teilen Deutschlands und selbst aus dem Ausland. "Es kommen Genesungswünsche aus der ganzen Welt, aus New York und Toronto", erklärt Polizeisprecher Peter Krämer. Er glaubt, dass sich durch den Anschlag auch das Image der deutschen Ordnungshüter verbessert hat: "Die Bürger sehen jetzt, dass auch wir Opfer werden können."

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