Nach Morddrohungen gegen Abgeordnete
Schäuble fordert von Muslimen mehr Integration

Führende muslimische Verbände in Deutschland haben sich mit der wegen ihrer Kopftuch-Äußerungen angegriffenen deutsch-türkischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz solidarisiert. Doch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ist das noch nicht genug. Er verlangt von den Muslimen mehr Anstrengungen zur Integration verlangt. Lippenbekenntisse reichten nicht mehr aus.

HB BERLIN. Man habe lange nicht gesehen, dass der Islam „ein Teil von uns“ sei, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Das bedeute auch, dass die Muslime heimisch werden müssten, und das nicht nur als Lippenbekenntnis. „Karikaturen müssen ertragen werden, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Kritik, die auch schon mal beleidigend sein kann - das alles macht unsere offene Gesellschaft aus.“

Karikaturen des islamischen Religionsstifters Mohammed in Dänemark hatten vor Monaten in der muslimischen Welt gewalttätige Proteste ausgelöst. Mit Blick auf die Bedrohung durch islamistische Extremisten sagte Schäuble, die Muslime müssten wissen, „dass sie mit einer größeren Nähe zu unserer Gesellschaft auch Verantwortung übernehmen“.

In den vergangenen Wochen war die Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz wegen ihres Engagements gegen das Tragen von Kopftüchern von Muslimen scharf kritisiert und sogar mit Morddrohungen belegt worden. Deligöz äußerte sich enttäuscht darüber, dass sich die türkischen Demokraten in Deutschland und der Türkei aus diesem Streit heraushielten. „Sie sagen letztendlich, du bist selber Schuld, wenn du das ansprichst, dann musst du damit rechnen, das so etwas kommt“, sagte sie im Deutschlandfunk. Deligöz hatte in Interviews erklärt, das Kopftuch sei ein Symbol der entrechteten Frau und appelliert, es abzulegen.

Sie halte es für naiv, wenn das Kopftuch nur zu einem Mode-Accessoir stilisiert werde, sagte Deligöz. „Gerade diese Reaktionen zeigen doch, wie sehr dieses kleine Stück Stoff auch politisch instrumentalisiert wird.“ Ihre Aufforderung, das Kopftuch abzulegen, sei auch ein Angriff auf eine bestimmte Rollenzuweisung an die Frauen.

„Ich bin Kinder- und Familienpolitikern, weil ich gedacht habe, ich könnte mit Politik dieses Land gestalten, verändern, hin zu einer gerechteren Verteilung“, sagte die Grünen-Abgeordnete. „Und jetzt begegnen mir Menschen, die schlicht und einfach alles ablehnen.“ Diese Menschen seien noch nicht einmal offen, in irgendeiner Form Perspektiven für ihre Kinder aufzubauen. Sie verwies darauf, dass jeder fünfte Abgänger von Hauptschulen mit ausländischer Herkunft keine Schulabschluss habe.

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