Nach Norwegen-Massaker

Rufe nach schärferem Waffenrecht

In Norwegen hat Anders Breivik mit legal erworbenen Waffen getötet. In Deutschland wird nun wieder über ein schärferes Waffenrecht diskutiert. Die Regierung in Baden-Württemberg will eine Initiative starten.
Update: 27.07.2011 - 16:14 Uhr 8 Kommentare
Ein Zollbeamter präsentiert sichergestellte Waffen. Viele Privatpersonen besitzen aber auch ganz legal eine Schusswaffe. Quelle: dpa

Ein Zollbeamter präsentiert sichergestellte Waffen. Viele Privatpersonen besitzen aber auch ganz legal eine Schusswaffe.

(Foto: dpa)

Berlin StuttgartNach den Attentaten in Norwegen wird in Deutschland der Ruf nach einer Verschärfung des Waffenrechts wieder lauter. Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) sagte am Mittwoch in Stuttgart: „Wir streben ein generelles Verbot für den privaten Besitz großkalibriger Faustfeuerwaffen an.“ Unterdessen warnte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor rechten Autonomen in Deutschland. Zwar nehme die Zahl der Mitglieder rechtsextremer Gruppen ab. Dafür steige die Zahl der Gewaltbereiten.

Der rechtsradikale Norweger Anders Behring Breivik hatte bei seinen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya mindestens 76 Menschen getötet. Die Tat verübte er mit legal erworbenen Waffen.

Bundesinnen- und Bundesjustizministerium sehen aber keinen Anlass für sofortige politische oder gesetzgeberische Konsequenzen in Deutschland. Beide Sprecher äußerten sich mit Verweis auf die Opfer in Norwegen zurückhaltend zu diversen Forderungen, die nach den Taten in Oslo laut wurden. „Die Zeit der Anteilnahme und des Mitgefühls ist nicht vorbei“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Baden-Württembergs Innenminister Gall verwies auf eine ohnehin geplante Bundesratsinitiative des Landes zum Thema Waffenrecht. Grün-Rot hatte sie im Koalitionsvertrag vereinbart - lange vor den Vorfällen in Norwegen. Auch der Innenexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Wolfgang Wieland, bekräftigte seine Forderung nach einer Verschärfung. „Das Ziel muss sein, dass Sportschützen nicht mehr mit Großkaliberwaffen schießen dürfen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Es gibt immer noch zu viele Waffen in Privathaushalten.“ Schätzungen zufolge seien es zehn Millionen Schusswaffen.

Der Innenexperte der SPD-Bundestagfraktion, Sebastian Edathy, wies stellte sich gegen Galls Vorstoß. “Die Notwendigkeit, nach den schrecklichen Ereignissen in Norwegen das Gesetz nunmehr erneut zu reformieren, erschließt sich mir nicht. Das Gesetz ist auf der Höhe der Zeit“, sagte Edathy unter Hinweis darauf, dass das deutsche Waffenrecht zuletzt 2009 im Lichte des Amoklaufs von Winnenden neu wurde. Es schütze die Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit, aber auch die Belange von Sportschützen und Jägern, so Edathy.

Auch von einem Verbot großkalibriger Waffen im Bereich der Sportschützen, wie die Grünen das fordern, hält Edathy nichts. Denn ein Verbot würde nichts daran ändern, „dass jemand, der ein Massaker jahrelang vorbereitet trotzdem einen Weg finden würde, in den Besitz entsprechender Waffen zu gelangen“, sagte der SPD-Politiker. „Bei rund 95 Prozent der mit Waffen begangenen Straftaten werden illegale Waffen verwendet“, sagte Edathy.

"Vorschläge aus der Hutschachtel"
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8 Kommentare zu "Nach Norwegen-Massaker: Rufe nach schärferem Waffenrecht"

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  • Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer wenn man den grün-roten Verbotspolitikern folgt.
    Keine Waffen fürs Volk, nur noch Bomben und das Zubehör dazu.
    Erst wenn man im Anschluß an das Waffenverbot auch noch die Bauern (kompettes Düngemittelverbot) und die Kirchen (der Attentäter wahr glaübiger Christ) ins Verbots-Visier nimmt kann man in Deutschland wieder sicher auf die Straße gehen.

    Diese "DUMM-DUMM-Geschosse" der grün-roten Landesregierung sollte man als erstes verbieten.

  • Die Forderungen der Grünen sind schlichtweg Quatsch. Schauen Sie sich die Kriminalstatistik von England nach der "Blairschen Entwaffnung" an. Sie werden feststellen, dass die Zahl der Delikte mit (illegalen) Schusswaffen sprunghaft angestiegen ist. Wer so ein Massaker durchführen will, der findet auch einen anderen Weg. Lassen Sie die ehrlichen und gesetzestreuen legalen Waffenbesitzer in Ruhe und überlegen Sie, wie man die Ursachen für solche Massaker bekämpfen kann. Die Waffen sind nur das Mittel aber nicht die Ursache.

    M. S.

  • Die Zurückhaltung im Rahmen des Anschlages scheint ja nun vorüber zu sein und einzelne Politiker müssen nun gleich auf der Schockwelle dieser schrecklichen Taten ihre falschen und undemokratischen Forderungen erneut in die Welt posaunen.

    Niemand in Norwegen scheint auf die Idee zu kommen das dort gültige deutlich liberalere Waffenrecht zu ändern - man fragt sich also was der wirkliche Grund für die Forderungen dieser Herren hier in Deutschland ist.

  • Gibt es für unsere Politiker eigentlich nichts wichtigeres, als sich mit der immer wieder aufkommenden Forderung nach einem Waffenverbot zu profilieren?

    Als aktiver Sportschütze bin ich stetig steigende Vorverurteilung in den letzten Jahren mittlerweile leid. Es gibt millionen legaler Waffenbesitzer in Deutschland - warum sollen diese wegen Taten einzelner in Sippenhaft genommen werden? Ich verstehe und akzeptiere das nicht.

    Solche Taten wie in Norwegen oder auch die Geschehnisse in Deutschland sind durch nichts zu rechtfertigen. Aber nicht die Waffen sind das Problem, sondern die Absicht des Einzelnen. Gerade Oslo zeigt, dass eben nicht nur Waffen in den Händen eines einzelnen Täters das Problem darstellen. Wer fanatischer Täter ist, der findet einen Weg - auch mit illegalen Waffen. Leider.

    Wären die Auswirkungen nicht ähnlich schlimm zu erwarten gewesen, wenn der Täter auf der Insel ebenfalls eine Bombe in mitten der Jugendlichen gezündet hätte?

    Es sterben jeden Tag viele Menschen: Ob tragisch durch solche Anschläge, durch Autounfälle, Krankenhauskeime oder durch Hungersnot in Afrika. Hier sehe ich unsere Politiker zuerst gefordert.

    Sorgt für bessere Hygiene in unseren Kliniken, gibt den Menschen in Afrika was zu essen und macht die Welt in großen Schritten besser. Das hilt wesentlich mehr Leben zu retten! Aber lasst die massenweise Vorverurteilung von unbescholtenden Bürgern.

  • Es ist immer derselbe dumme Reflex:
    nach jedem bedauernswerten Vorfall ist das zu lesen (in der Schweiz käme kein ernstzunehmender Politiker auf diese Idee).
    Jedoch: Wieviele Verbrechen werden mit Waffen aus legalem Besitz, und wieviele aus illegalem Besitz begangen?
    Das ist verschwindend gering ! Wird aber stets ignoriert.
    Sinnervoller wäre es m.E., im bekannten Millieu die Knarren einzusammeln und den illegalen Besitz sehr hart zu bestrafen.

  • „Dazu kommen oft Computerspiele, wo man lernt, auf den Jagdmodus umzuschalten“

    Ah! Da hat Herr Wieland also wieder den Bullshit-Bingo-Automaten angeworfen. Ja, in der Tat, diese Computerspiele sind schlimm. Mindestens genauso schlimm sind aber Politiker weit ab jeglicher Vernunft und Realität.
    Ich frage mich indessen wie ich als Killerspielespieler und ehemaliges Schützenvereinsmitglied die letzten Jahrzehnte ohne Amoklauf und/oder Mord überstehen konnte.

    Im Februar diesen Jahres wurde eine LAN-Party im Bundestag veranstaltet. Hier hatten unsere Minister(innen) Gelegenheit sich die Computerspielewelt anzusehen und auszuprobieren. So weit ich mich erinnere gab es nur eine Handvoll die sich wirklich interessierten, den Spielern über die Schulter sahen oder selbst ausprobierten. Einerseits traurig, andererseits zeigt dies aber auch wunderbar das man am leichtesten auf etwas einprügeln kann das man weder versteht noch sich wirklich dafür interessiert.

  • letzten Winter hat mich ein vom Dach herabfallender Dachziegel nur knapp verfehlt. Schon lange fordere ich:
    DIE ABSCHAFFUNG ALLER DACHZIEGEL AUF DEUTSCHEN DÄCHERN!

  • Ich verlange das abschaffen von Bleistiften, Zirkel, Haushaltsmessern, Gabeln, und noch etwas dass ewige dumme, Hirnlose Geschwätz von grünen sogenannten Politikern.
    Warum bringt das HB-dieses Hirnlose Geplapper?
    Ps.: auch das Arbeiten der Menschen muß verboten werden, weil Arbeit krank macht.
    Danke

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