Nach Pannen
Auch Brunsbüttel abgeschaltet

Erst Krümmel, jetzt auch Brunsbüttel: Knapp dreieinhalb Wochen nach den ersten Zwischenfällen sind nun beide Vattenfall-Atomkraftwerke in Deutschland vollständig abgeschaltet.

HB KIEL. Wegen fehlerhafter Verankerungen im Sicherheitssystem wurde nach dem Meiler Krümmel auch das AKW Brunsbüttel komplett abgeschaltet, wie das zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerium mitteilte. Die Mängel seien bei Überprüfungen festgestellt worden.

Bislang sei der Meiler nur vom Netz getrennt, der Reaktor aber noch aktiv gewesen, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Kohl der Nachrichtenagentur AP. Er korrigierte damit seine frühere Aussage, wonach der Reaktor während der Trennung vom Netz noch Strom für den Eigenbedarf produziert habe. Erst am Donnerstag waren bei einer Überprüfung im Sicherheitssystem des Meilers Brunsbüttel Abweichungen an Dübelplatten festgestellt worden. Bei den Platten, mit denen Rohrleitungen am Bauwerk befestigt werden, wurden zu große Bohrungen entdeckt. Deswegen wurde der Meiler zunächst vom Netz getrennt.

Die nun beanstandeten Verankerungen sind der Mitteilung zufolge Teil der Rohrleitungshalterungen des Not- und Nachkühlsystems. Wie lange der Meiler abgeschaltet bleibt, stand zunächst nicht fest. Die Atomaufsicht und die Obere Baubehörde forderten wegen der neuen Erkenntnisse von Vattenfall, eine Begehung des Sicherheitsbehälters zu ermöglichen. Dazu müsse der Reaktor abgeschaltet sein, hieß es aus dem Kieler Ministerium. Die Sachverständigen sollen in der kommenden Woche den Behälter besichtigen.

Greenpeace-Experte Heinz Smital kritisierte das Krisenmanagement des Vattenfall-Konzerns und der zuständigen Landessozialministerin Gitta Trauernicht. „Das wird ja eher schlimmer als besser“, sagte Smital der Nachrichtenagentur AP.

Auch an der Informationspolitik der zuständigen Landessozialministerin Gitta Trauernicht war Kritik laut geworden. Auslöser ist nach Medienberichten ein Fax, mit dem Betreiber Vattenfall Trauernicht schon am Abend des Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel am 28. Juni umfassend über das Ausmaß des Transformator-Brands informiert haben soll. Auf einer Pressekonferenz am folgenden Tag habe die SPD-Politikerin aber nicht erwähnt, dass der Störfall ernster gewesen sei als bis dahin angenommen. Trauernicht habe erst mehrere Tage später von Auffälligkeiten gesprochen, berichteten „Focus“ und das „Flensburger Tageblatt“.

Die SPD-Politikerin wehrte sich gegen die Behauptungen: „Ich habe seit dem 28. Juni 2007 die Medien und die Öffentlichkeit umgehend über alle jeweils aktuellen und von den Sachverständigen und meiner Fachabteilung vorläufig geprüften Erkenntnisse informiert“, erklärte sie. Im Zusammenhang mit den Pannenserien in den beiden Kraftwerken war Vattenfall-Deutschlandchef Klaus Rauscher am Mittwoch von seinem Posten zurückgetreten. Der schwedische Mutterkonzern hatte zuvor das Krisenmanagement nach den Zwischenfällen in Krümmel und Brunsbüttel Ende Juni heftig kritisiert.

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