Nach Plagiatsvorwürfen
Auch Koch-Mehrin wird der Doktor zum Verhängnis

Erst Karl-Theodor zu Guttenberg, jetzt Silvana Koch-Mehrin. Die FDP-Politikerin zieht die Konsequenzen aus einer Plagiatsaffäre und kündigt den Rücktritt von allen Ämtern an. Die FDP hatte nichts dagegen.
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Brüssel/BerlinNach massiven Plagiatsvorwürfen ist die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin am Mittwoch überraschend von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Die 40-Jährige teilte in einer knappen schriftlichen Erklärung mit, sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde. Die FDP-Politikerin legte ihr Amt als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und als Präsidiumsmitglied der FDP nieder.

In einer ersten Reaktion äußerte sich FDP-Generalsekretär Christian Lindner reserviert: „Wir haben die Entscheidung von Silvana Koch-Mehrin zur Kenntnis genommen und danken ihr für den langjährigen Einsatz für die liberale Sache“, sagte Lindner den Zeitungen der „WAZ“-Gruppe.Für den designierten FDP-Parteichef Philipp Rösler kam der Rückzug von Silvana Koch-Mehrin aus ihren Ämtern in Partei und Europaparlament nicht überraschend. Die beiden hätten am Mittwoch miteinander gesprochen, hieß es am Abend aus der Parteiführung in Berlin. Dabei gab es offenbar Einvernehmen darüber, dass die Europaabgeordnete Konsequenzen aus ihrer Plagiatsaffäre zieht.

FDP-Chef Guido Westerwelle bedauert den Rückzug von Silvana Koch-Mehrin aus ihren Ämtern in Partei und Europaparlament. „Ich bedaure diese Entscheidung, aber ich respektiere die Gründe und bin zuversichtlich, dass sie die Europapolitik auch künftig weiter prägen wird“, teilte Westerwelle am Mittwochabend in Berlin mit.

Koch-Mehrin war wegen einer wegen einer Plagiatsaffäre unter Druck geraten. Ihr droht die Aberkennung ihres Doktorgrades. Die Universität Heidelberg prüft derzeit Vorwürfe, Koch-Mehrin habe in ihrer im Jahr 1999 eingereichten Dissertation an mehreren Stellen abgeschrieben. Die FDP-Politikerin forderte für sich in ihrer Rücktrittserklärung eine vertrauliche Untersuchung der Vorwürfe. „Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe“, erklärte sie.

Die einstige liberale Hoffnungsträgerin ist der zweite Spitzenpolitiker, der über seinen Doktorhut stolpert. Am Mittwoch hatte die Universität Bayreuth ausführlich begründet, warum sie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den akademischen Titel entzogen hatte. Die Untersuchungskommission wirft dem ehemaligen CSU-Politiker in ihrem Bericht vor, vorsätzlich getäuscht zu haben.

Für die Uni Bayreuth ist die Plagiatsaffäre Guttenberg abgeschlossen. „Fälschungen durchziehen die Arbeit als werkprägendes Arbeitsmuster“, urteilte der Kommissionsvorsitzende Stephan Rixen.Erschummelte Dr.-Titel sind keine Ausnahme: Bis zu 300 Promotionen pro Jahr kommen nach Schätzungen unredlich zustande.

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  • Und natürlich will sie ihr Abgeordnetenmandat behalten...war ja klar. Jede Monat schön die Kohle einstreichen für dummes Zeug reden und rumsitzen.

    Lügner und Betrügerinnen RAUS aus parlamneten, keine Steuergelder für LUFT- und NULLNUMMERN

  • Warum hat sie es nicht die letzten 10 Jahre zugegeben?da war der Dr-titel noch der Türöffner.aber nachdem es rauskommt,dann geht es ganz schnell.hätte es niemand aufgedeckt hätte sie den Titel(bewusst und betrügerisch) ihr leben lang gehalten

  • Wie ich bereits sagte, Guttenberg und Koch-Mehrin sind nur die Spitze eines Eisbergs. Aber die Verantwortung bleibt bei den Doktorvätern, die diese Arbeiten von Beginn an zu begleiten haben! Wenn einzelne Universitäten nun behaupten, dass diese Plagiate von den Doktorvätern nicht erkennbar waren, dann ist das eine Unverschämtheit, ganz besonders im Fall Guttenberg, der summa cum laude abschloss!
    Es ist für mich eine herbe Enttäuschung, dass diese Doktorväter der 68iger Generation entstammen, die ja alles besser machen wollten. Es stellt sich nun die Frage, wofür manche Professoren Geld bekommen, C 4 ist nämlich eine üppige Besoldung! Ein Gutes für die Zukunft hat die ganze Geschichte: künftig werden wohl weniger Doktortitel aus Gefälligkeit vergeben werden!
    Im Falle Koch-Mehrins ist es nur zu begrüßen, dass sie sang- und klanglos abtritt und sich damit die Peinlichkeiten wie bei Guttenberg erspart, auch wenn sie damit ihre Schuld eingesteht.

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