Nach Plagiatsvorwürfen
Parteifreunde halten zu Bildungsministerin Schavan

An der CDU-Basis grummelt es, seit die Plagiats-Vorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan in der Welt sind. Doch offiziell stärkt ihr die Partei den Rücken - vorausgesetzt, die Vorwürfe erhärten sich nicht.
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UlmTrotz des Unmuts an der Basis bekommt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in der Diskussion um angebliche Schlampereien in ihrer Doktorarbeit Rückendeckung von Parteifreunden. Bislang gebe es keinerlei Beweise für ein Fehlverhalten der Ministerin, erklärten die Chefs von CDU-Kreis- und Bezirksverbänden in Baden-Württemberg am Montag. Zuvor hatte unter anderem der Landeschef der Jungen Union, Nikolas Löbel, davon gesprochen, dass es an der Basis brodele. Auch die FDP setzte Schavan unter Druck.

„Es gilt die Unschuldsvermutung. Und deshalb stehen wir voll hinter Frau Schavan“, betonte der CDU-Vorsitzende in ihrem Heimatwahlkreis Alb-Donau/Ulm, Paul Glökler. Dort war Schavan zuletzt nicht unumstritten. „Gegen anonyme Vorwürfe kann man sich nicht schützen“, betonte er. Solange die zuständige Promotionskommission der Universität Düsseldorf kein Vergehen der Ministerin feststellen sollte, seien die Vorwürfe kein Thema im Kreisverband. Auch der Vorsitzende des CDU-Bezirksverbands Württemberg-Hohenzollern, Thomas Bareiß, sprach der Ministerin sein „volles Vertrauen“ aus.

Die Ministerin muss sich seit vergangener Woche anonymer Plagiatsvorwürfe im Internet erwehren. Auf einer Plattform „Schavanplag“ listet ein Unbekannter angebliche Plagiatsstellen auf 56 Seiten ihrer gut 350 Seiten starken Dissertation aus dem Jahr 1980 auf. Im Wesentlichen werden ihr Mängel und „Verschleierung“ beim Quellennachweis vorgeworfen.

Die FDP denkt bereits über die Folgen nach, wenn die Ministerin tatsächlich unsauber zitiert hätte. „Sollten sich die Vorwürfe erhärten, erwarte ich, dass sie dann die Konsequenzen zieht“, sagte die Generalsekretärin der Südwest-FDP, Gabriele Heise, der dpa. „Als Wissenschaftsministerin steht sie als Vorbild hier besonders in der Verantwortung.“ Zwar seien Schlampereien und gezieltes Täuschen zwei Paar Stiefel. Doch zahlreiche falsche Fußnoten seien keine Kleinigkeit. „Wenn sich das bestätigt, ist das auch nicht akzeptabel.“

Der Gründer des Recherchenetzwerks „VroniPlag“, Martin Heidingsfelder, sagte bei „bild.de“: „Die Ministerin muss zurücktreten, denn als Bildungspolitikerin wird sie nach der Debatte um ihre Doktorarbeit nie wieder unbefangen sprechen können. Ihre Arbeit weist eindeutige Plagiate auf. Dieses wissenschaftliche Fehlverhalten muss Konsequenzen haben.“

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) mahnte hingegen zur Geduld. „Frau Schavans Arbeit wird derzeit von kompetenter Seite geprüft. Diese Ergebnisse sind abzuwarten. Erst dann sollte der Meinungsbildungsprozess beginnen“, mahnte sie.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Plagiatsvorwürfen: Parteifreunde halten zu Bildungsministerin Schavan"

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  • Parteifreunde?
    Kotz.
    Bei derart korruptem Personal braucht die CDU keinen Feind mehr zu fürchten. Zu ihrem persönlchen Vorteil scheißt dieses prinzipienlose Gesoxx auf die CDU und nimmt rücksichtslos ihren Untergang in Kauf, obwohl die ihnen ihre Karriere ermöglicht.
    Gott schütze unser anderes nationales Kapital vor diesem hochgefährlichen Zivilisationsmüll in Menschengestalt.

  • VroniPlag Wiki war nie Heidingsfelder. Gegründet haben andere während Heidingsfelder privat Fälle vorgeschlagen hat ohne Verdacht aber die wurden abgelehnt. Und er ist schon lange von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Und zwar, weil es einfach unterträglich war. Heidingsfelder versucht ständig VroniPlag Wiki, so wie wir es jetzt kennen, zu verhindern und zu stören.

    Die Leute von VroniPlag Wiki müssen unbedingt denen von den Agenturen erklären, dass sie statt "VroniPlag-Gründer" lieber "Wulff-Schuhzeiger" oder "Sozi für Arme" oder "Ex-Footballspieler" oder so in die Kartei eintragen sollten.

  • Ich bin dafür, dass alle Dr.-Arbeiten der letzten 30 Jahre überprüft werden, und einen Dr.-Grad erhält, wer Medizin studiert hat, sonst niemand.
    Basta/Alternativlos.
    Danke

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