Nach Professoren-Schelte: AfD-Chef Lucke attackiert Gabriel

Nach Professoren-Schelte
AfD-Chef Lucke attackiert Gabriel

SPD-Chef Sigmar Gabriel hält die Anti-Euro-Truppe AfD und ihre „neunmalklugen Professoren“ für Feinde Europas. Das sorgt für großen Unmut bei der jungen Partei – zumal zwei der Professoren als Berater Gabriels arbeiten.
  • 96

BerlinDer Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hat SPD-Anführer Sigmar Gabriel scharf dafür kritisiert, dass er am Wochenende mit Blick auf die AfD erklärt hat, er wolle Europa gegen „neunmalkluge Professoren“  verteidigen. Lucke bezog die Kritik auf die Professoren Roland Vaubel und Charles F. Blankart,  die dem wissenschaftlichen Beirat des von Gabriel geführten Wirtschaftsministeriums (BMWi) angehören und gleichzeitig die AfD unterstützen.

Der AfD-Chef warnte Gabriel im Gespräch mit Handelsblatt Online vor Konsequenzen gegen Vaubel und Blankart. Beide seien wegen ihrer wissenschaftlichen Verdienste in den Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums berufen worden. Wie jeder Bürger hätten sie das Recht sich politisch zu betätigen. „Wenn Gabriel sie abberuft, weil sie der AfD angehören, sollte er den ganzen Beirat auflösen“, sagte Lucke. „Was nützt ein Beirat, der auf Linientreue getrimmt wird?“

Der Neunmalkluge sei hier „offensichtlich“ Gabriel, der seinen Professoren vorschreibe, wie sie ihn zu beraten hätten, sagte Lucke weiter. Eine Abberufung Vaubels und Blankarts wäre daher „eindeutig eine politische Pression gegen die Freiheit der Wissenschaft“, betonte der AfD-Chef. „Herr Gabriel sollte lieber darüber nachdenken, ob die AfD nicht Recht hat, wenn so viele VWL-Professoren der AfD angehören.“

Gabriel hatte in seiner Rede beim Sonderparteitag der SPD in Berlin, als er von den neunmalklugen Professoren sprach, allerdings die AfD nicht direkt erwähnt. Wörtlich sagte er: „Ob es nun neunmalkluge Professoren, ehemalige Verbandslobbyisten oder Linksradikale sind: Wir verteidigen Europa gegen sie.“ Weniger später sprach er von einem Anti-Euro-Bündnis aus Linken und der AfD. „Da verbünden sich die rechten und die linken Feinde Europas. Beiden treten wir entgegen.“

Die Kritik an den AfD-Ökonomen Vaubel und Blankart ist nicht neu. Handelsblatt Online hatte bereits im September 2013 darüber berichtet. Damals hatte Michael Roth, europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, angekündigt, die SPD werde im Falle eines Wahlsiegs die Personalie auf die Agenda setzen. Über Neubesetzungen im BMWi-Beirat wird bald eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung entscheiden. Dass Herr Vaubel diesem Gremium dann noch angehört, können wir schon jetzt ausschließen."

Heute will sich Roth nicht mehr zu dem Vorgang äußern. Er verweist stattdessen auf die Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums. Dieses verwies am Montag auf die Unabhängigkeit des Gremiums. Auch Abberufungen könnten erst nach Mehrheitsbeschluss der Beiratsmitglieder erfolgen, hieß es.

Seite 1:

AfD-Chef Lucke attackiert Gabriel

Seite 2:

Grüne fordern Abberufung der AfD-Ökonomen

Kommentare zu " Nach Professoren-Schelte: AfD-Chef Lucke attackiert Gabriel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Komische Demokratie in der Andersdenkende nicht akzeptiert werden. Hr. Gabriel essen Sie einfach weiter und seien Sei leise.

  • Umgekehrt wird ein Schuh daraus: was können Vaubel und Blankart in einem Gremium tun, in dem sie eine Minderheitenposition vertreten? Wenn sie vernünftig sind, gehen sie selbst, bevor sie ausgewechselt werden. Für Geld tut man Einiges, aber man gibt seine Meinung nicht an der Garderobe ab.

  • @Humanist
    Man kann das vielleicht auch anders sehen. Demokratie heißt doch Volksherrschaft und worüber kann ein Volk denn herrschen? Nur über sich selbst.
    Meines Erachtens haben die Deutschen mit dem Euro erstmals eine wirkliche Demokratie bekommen. Demokratie ist doch nicht, am Wahltag ein Kreuzchen machen zu dürfen. Sie besteht doch vor allem darin, in den Tagen zwischen den Wahlen sein eigener Herr und damit wirklich frei zu sein. Bisher waren die Deutschen aber nie frei. Sie waren, wie die meisten Europäer, Diener des Kapitals, inhumaner Ideologen oder selbstgefälliger Gutmenschen, und das wiederum deshalb, weil die Mächtigen immer wieder künstliche Notlagen erzeugt haben.
    Mit dem Euro ist es gelungen, die Not als Machtbasis weitgehend abzubauen. Viele Europäer sind erst mit dem Euro der Not entkommen, ihr eigener Herr und damit überhaupt zur Demokratie fähig geworden.
    Für das Kapital ist damit die Herausforderung entstanden, den Europäern Anreize zu schaffen, ihm freiwillig zu dienen. Solche Anreize können nur in einer gerechten Beteiligung am Wohlstandswachstum bestehen, sonst können die Reichen ihr Geld gern mit ins Grab nehmen.
    Der Euro hat erst die Basis für wirklichen Humanismus geschaffen. Das haben die meisten Europäer auch schon längst begriffen. Nur fantasielose, ewig gestrige Kapitalisten, und dazu muss man die AfD zählen, sehen dabei ihre Felle davon schwimmen und streuen jetzt Zukunftsängste, um sich an ihrer siechenden traurigen Machtbasis - die Not der Armen, wie an einen Strohhalm zu klammern.
    Reichtum besteht nicht in der Armut anderer. Wenn Sie Humanist sind, warum tragen Sie der AfD das Wasser? Plädieren Sie doch für den Humanismus, der Basis für echte Demokratie, dauerhaften Frieden und, auch wenn sein Ruf von den Armseligen nachhaltig zerstört wurde, Kommunismus. Nehmen wir sie alle mit - es geht los!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%