Nach Protesten: Ulla Schmidt will Ärzte-Honorare reformieren

Nach Protesten
Ulla Schmidt will Ärzte-Honorare reformieren

Die Ärzte-Proteste zeigen Wirkung: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will dafür sorgen, dass die deutschen Mediziner mehr Geld verdienen. Das Honorarasystem soll schnell reformiert werden.

HB BERLIN. „Wir werden von der politischen Seite in diesem Jahr noch einmal Druck machen, damit es endlich zu einer Änderung kommt“, sagte sie den „Ruhr Nachrichten“. Das gesamte Honorarsystem sei undurchsichtig und überholt. Am Mittwoch waren in Berlin mehr als 20 000 Mediziner aus ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Die niedergelassenen Ärzte demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen und Bürokratieabbau.

Bereits die rot-grüne Bundesregierung habe die Honorierung der Ärzte ändern wollen. „Die Selbstverwaltung von Kassen und Ärzten hat aber bisher die zwingend notwendigen Vorarbeiten noch nicht geleistet“, sagte Schmidt. Vorwürfe gegen ihre Person wies sie zurück. Die Verteilung der Honorare werde von den Kassenärztlichen Vereinigungen festgelegt, nicht vom Ministerium. „Daher sind die Vorwürfe gegen mich fehlgeleitet“, sagte Schmidt dem Blatt.

Rückendeckung bekam Schmidt vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. „Für 70 Prozent der Bürokratie sind die kassenärztlichen Vereinigungen zuständig, für 30 Prozent die Kassen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Auch die Einkommenssituation der Mediziner sei nicht so schlecht wie von den Ärzten dargestellt. So erwirtschafte eine Praxis im Westen monatlich durchschnittlich 10 000 Euro nach Abzug aller Kosten und vor Steuern, im Osten 8000 Euro. „Das ist ein ordentliches Einkommen“, sagte er. „Es ist traurig, dass Ärzte für ihr Gehalt auf die Straße gehen.“

Auch die Grünen äußerten wenig Verständnis für die Proteste der Ärzte. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Birgitt Bender verwies darauf, dass die Einkommenssituation der Ärzte höchst unterschiedlich sei. Dafür sei die ärztliche Selbstverwaltung verantwortlich. „Es geht um innerärztliche Verteilungskonflikte, für die nicht die Politik zuständig ist“, sagte sie.

Die Berliner Kassenärzten beschlossen unterdessen weitere Medizinerstreiks in der Hauptstadt. So soll in der Woche vom 6. bis 11. Februar jeweils die Hälfte der 6000 Berliner Haus- und Facharztpraxen geschlossen bleiben, sagte Annette Kurth, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, am Mittwochabend. Die Praxen sollen jeweils zwei Tage im Norden und zwei Tage im Süden der Stadt schließen. Das habe die Vollversammlung von rund 500 Kassenärzten mit großer Mehrheit beschlossen.

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