Nach Sauerland-Abwahl
Duisburg schwankt zwischen Genugtuung und Bitterkeit

Die Abwahl des Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland wegen der Loveparade- Katastrophe sorgt bei seinen Gegnern für Genugtuung. Nun wird ein parteiübergreifender Kandidat gesucht. Aber ein Neustart wird schwierig.
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Duisburg/KölnRund eineinhalb Jahre nach der Loveparade- Katastrophe mit 21 Toten bekommt Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland die politischen Konsequenzen zu spüren und muss gehen. Der CDU-Politiker wurde am Sonntag mit großer Mehrheit aus dem Amt gewählt.

Adolf Sauerland reagierte sehr betroffen auf seine Abwahl. Eine halbe Stunde nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses trat der CDU-Politiker am Sonntagabend im Rathaus sichtlich bewegt vor die Presse. „Zu meiner Amtszeit gehören viele positive Ereignisse, aber eben auch die Loveparade“, sagte der CDU-Politiker mit belegter Stimme. „Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft.“ Als einige Sauerland-Kritiker daraufhin johlten, sagte er: „Ich bitte um etwas mehr Charakter.“ Der Politiker fuhr fort: „Ich hoffe, dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen.“ Die letzten Worte bei seinem wohl letzten öffentlichen Auftritt als Oberbürgermeister: „Gott schütze die Stadt Duisburg.“

Theo Steegmann, Specher der Initiative „Neuanfang für Duisburg“ zeigt sich verwundert über Adolf Sauerlands Überraschung angesichts seiner Abwahl als Duisburger Oberbürgermeister. Die Initiative habe in den vergangenen Monaten bereits den Eindruck gehabt, „dass der Mann unter Realitätsverlust leidet“, sagte Steegmann am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Für die Angehörigen der Opfer der Loveparade-Katastrophe bringe die Abwahl „ein Stück Genugtuung“. Es sei für diese „eine doppelte Bestrafung“ gewesen, in Duisburg eine Stadtspitze zu haben, die alle Schuld von sich gewiesen habe.

Sauerland wird von seinen Kritikern für Fehler bei der Genehmigung der Großveranstaltung im Sommer 2010 verantwortlich gemacht. Sie werfen ihm außerdem „völliges Versagen“ beim Umgang mit Opfern und Angehörigen vor. Der Oberbürgermeister hatte stets jede Schuld an der Massenpanik von sich gewiesen und einen Rücktritt abgelehnt.

Für den Abwahlantrag einer Bürgerinitiative stimmten nach Angaben der Stadt vom Sonntagabend 129.833 Wähler. Das waren deutlich mehr als die für eine Abwahl notwendigen rund 92.000 Stimmen. Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich 21.557 Wähler aus. Seine Amtszeit hätte noch bis zum Spätsommer 2015 gedauert.

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  • Nein, es macht die Toten nicht lebendig.
    Aber Sauerland hat sich derart unmöglich verhalten danach, dass sein Weitermachen als OB schlicht unmöglich war.
    Es erinenrt so an Wulff.
    Ich wäre froh, man könnte Wulff, der mehr als peinlich ist, genau so in die Wüste schicken

  • Er kommt aus Krefeld, war hier Lehrer an einem Gymnsium. Ich glaube in Uerdingen am Fabritianum

  • Er bekommt jetzt seine Pension, deswegen ist er ja nicht von selbt zurückgetreten.
    Wäre er das, hätte er keine Pension bekommen.
    Ja, unsre Politiker wissen schon wie man zu seinen Vorteilen kommt

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