Nach scharfer Attacke auf Gauck
Bestsellerautor soll die CDU verlassen

Dass er den Bundespräsidenten mit einem Terroristen verglichen hat, könnte schwerwiegende Folgen für Jürgen Todenhöfer haben. In der CDU will man den Bestsellerautor nicht mehr in der Partei haben.
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BerlinDer Obmann für Außenpolitik der Unions-Bundestagsfraktion, Roderich Kiesewetter (CDU), hat seinen Parteifreund Jürgen Todenhöfer aufgefordert, die CDU zu verlassen. "Ich verstehe auch aus persönlichen Begegnungen mit ihm - zuletzt bei Anne Will Anfang September 2013 - nicht, warum sich der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer dermaßen arrogant und herablassend über beispielsweise unseren Bundespräsidenten äußert. Todenhöfer hat jegliche Bodenhaftung und jeden Realitätsbezug verloren", sagte Kiesewetter Handelsblatt Online.

"Er gefällt sich in rhetorischen Figuren und in einer überheblichen Kritiksucht ohne Fakten zu kennen. Er sollte deshalb Konsequenzen ziehen und endlich aus der CDU austreten." Die Größe, sich beim Bundespräsidenten zu entschuldigen, werde er nicht haben.

Vorwürfe auf Todenhöfers Facebook-Seite

Der Bestsellerautor Todenhöfer hatte auf seiner Facebook-Seite Bundespräsident Joachim Gauck wegen dessen Offenheit für Militäreinsätze unter deutscher Beteiligung scharf attackiert. Er veröffentlichte dort am Dienstag ein Bild, auf dem Gauck mit Turban, langem Bart und Sturmgewehr im Hintergrund zu sehen ist. Darüber steht „Bundespräsident Gauck ruft erneut zum heiligen Krieg auf!“ Außerdem bezeichnete er Gauck als Dschihadisten.

Todenhöfer wirft dem Bundespräsidenten vor, „wie ein Irrer“ alle paar Monate dafür zu werben, dass sich Deutschland endlich wieder an Kriegen beteiligt. Und er fordert indirekt ein Sprechverbot für Gauck. „Wer stoppt diesen überdrehten Gotteskrieger, der Sarrazins Mut so sehr bewunderte?“, schreibt er. Gauck stelle ein Sicherheitsrisiko für Deutschland dar.

Nach den wütenden Reaktionen ging Todenhöfer in die Offensive. "Ich werde nicht schweigen", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Er wisse, dass seine Fotomontage zu Gauck eine Provokation gewesen sei. "Wie fast jede Satire", fügte der Ex-CDU-Politiker hinzu. Doch die größte aller Provokationen sei der Krieg. "Und erst recht das Werben Gaucks für Kriege", fügte Todenhöfer hinzu. "Seltsam, dass viele, die bei den Mohammed-Karikaturen begeistert Beifall klatschten, bei meiner Gauck-Satire Pfui rufen."

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Kubicki: Tödenhöfer-Angriffe Fall für den Staatsanwalt

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  • "Das konnte Wulff nicht "

    Lesen Sie einmal die Lindauer Rede von Wulff. Die hatte was.

  • Er veröffentlichte dort am Dienstag ein Bild, auf dem Gauck mit Turban, langem Bart und Sturmgewehr im Hintergrund zu sehen ist. Darüber steht „Bundespräsident Gauck ruft erneut zum heiligen Krieg auf!“(Zitat)

    Das Bild ist ihm doch "satirisch" gut gelungen, auch wenn ein Herr Kiesewetter (Handelsblatt Online ) meint: "Todenhöfer hat jegliche Bodenhaftung und jeden Realitätsbezug verloren". Todenhöfer verteidigt sich schon selbst überzeugend. "Seltsam, dass viele, die bei den Mohammed-Karikaturen begeistert Beifall klatschten, bei meiner Gauck-Satire Pfui rufen." Nun - alle werden sicher kein Pfui rufen - denn Satire ist eine legitime Sache (und besonders wichtig in einer Demokratie) und hinzu kommt, Gauck hat ja ziemlich direkt den unterstützten "deutschen Militäreinsatz" in der Presse publik gemacht -oder?

  • Aufklärer
    Henrik M. Broder sagte im letzten Jahr mal "wir sind längst eine 2. DDR. nur ohne Gefängnisse"
    Kubickis Bermerkung läßt darauf schleißen, dass wir demnächt wohl auch wieder Gefängisse haben, dann sind wieder alle Staatsfeinde, die nicht auf der polit. korrekten Spur sind und diese ist nun mal stramm links.
    Mein gott, wo sind wir gelandet, 25 Jahre nach der Wende?

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