Nach Scherfs Rücktrittsankündigung
Bremer SPD sucht neuen Bürgermeister

In der Hansestadt Bremen sucht die SPD nach der Rücktrittsankündigung von Regierungschef Henning Scherf einen Nachfolger für das Amt des Bürgermeisters. Nach zehn Jahren an der Spitze der großen Koalition hatte Scherf überraschend erklärt, er wolle sich aus allen politischen Ämtern zurückziehen.

HB BREMEN. Als Grund verwies der 66-Jährige auf sein Alter: „Ich fühle mich wie ein Methusalem in der deutschen Politik.“ Scherf gehört seit 1978 der Bremer Landesregierung an und ist damit das dienstälteste Kabinettsmitglied der ganzen Republik.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt Scherf im Amt. Als aussichtsreichste Bürgermeisterkandidaten werden Bildungssenator Willi Lemke und der SPD-Fraktionschef Jens Böhrnsen gehandelt. SPD- Landeschef Sieling führte bereits am Donnerstag erste Gespräche mit möglichen Kandidaten. Am Freitag will sich der Landesvorstand mit der Frage beschäftigen. Bei mehreren Bewerbern ist nach Angaben Sielings eine Mitgliederbefragung geplant.

Scherf hatte sich trotz heftiger Widerstände innerhalb der Bremer SPD immer wieder für das Bündnis mit der CDU stark gemacht - und nach Bundestagswahl auch für eine Allianz der großen Parteien auf Bundesebene geworben. Er selbst habe keine Berliner Ambitionen mehr, sagte Scherf: „Ich will auch nicht mit einem möglichen Amt in Berlin in Verbindung gebracht werden.“

Die CDU der Hansestadt würdigte Scherfs Einsatz für das in Teilen der SPD ungeliebte Bündnis. „Scherf war die stabile Säule in der Koalition“, sagte Innensenator Thomas Röwekamp (CDU). „Wir haben das Land gemeinsam als Koalition mit ihm vorangebracht und wollen dies auch weiterhin tun.“ Der CDU-Landesvorsitzende Bernd Neumann forderte von den Sozialdemokraten ein „klares, eindeutiges und unmissverständliches Votum für die große Koalition“. CDU- Fraktionschef Hartmut Perschau sagte, es gehe vor allem darum, „ob wir zu einer konstruktiven Zusammenarbeit kommen“. Der Koalitionsvertrag müsse eingehalten werden, sagte Perschau.

SPD-Landesparteichef Carsten Sieling hatte bereits am Mittwoch angekündigt, auch nach dem Ausscheiden von Scherf das Bündnis mit der CDU fortzusetzen. „Wir werden den Koalitionsvertrag einhalten“, sagte er. Scherf wollte bereits im Frühjahr 2003 sein Amt abgeben, ließ sich aber von seiner Partei erneut in die Pflicht nehmen.

Die Grünen sehen im Rücktritt Scherfs eine „Zäsur“. Im Interesse Bremens müsse mit dem personellen Wechsel auch ein inhaltlicher Neuanfang verbunden werden, sagte Landesvorstandssprecher Dieter Mützelburg. „Die politische Lähmung in unserem Stadtstaat wird nicht allein durch einen Wechsel an der Regierungsspitze überwunden.“

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