Nach Schottland-Referendum
Freiheit für Bayern – mei‘, wär‘ des schee

Eine Abspaltung von Deutschland würde einigen Bayern so passen. Dafür kämpft die Bayernpartei seit Jahren – das Schotten-Referendum gibt ihr neuen Schwung. Doch wie realistisch sind die weiß-blauen Sehnsüchte?
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DüsseldorfIn einem freien Bayern wäre alles so viel besser: Endlich müssten die Bajuwaren keine Abgaben mehr an die Saupreußen abdrücken, mit der Bevormundung aus Berlin und Brüssel wäre es vorbei, eine Maut würde den Ausländern ein angemessenes Wegzoll abzwacken und in Schloss Neuschwanstein würde wieder ein König einziehen. Mei‘, wär‘ des schee.

Beim Gedanken an einen unabhängigen Staat unter weiß-blauem Himmel schlägt so manches bayerisches Herz schneller. Wer die Separatisten im Süden allerdings als eine Handvoll verrückter Spinner abtut, der sei daran erinnert, dass sich zuletzt selbst ein Mitglied einer Regierungspartei für eine Abspaltung stark machte. Mit seinem Buch „Bayern kann es auch allein“ landete Franz Josef Strauß-Freund und CSU-Urgestein Wilfried Scharnagl 2012 einen Bestseller.

Jetzt, da sich die Schotten einer möglichen Unabhängigkeit im Eiltempo nähern, wittern sie bei der Bayernpartei in der Münchner Zentrale ihre Chance. Die Partei fordert schon lange die Abspaltung des Freistaats von Deutschland. Florian Weber ist der Alex Salmond Deutschlands. Der Erfolg des Wortführers der Schottischen Nationalpartei beflügelt derzeit auch den Vorsitzenden der Bayernpartei. Schon ruft die internationale Presse bei ihm in München an, will wissen, ob er denn jetzt ähnliches vorhabe. Den Russen habe er vergangene Woche ein Interview gegeben, auch ein Journalist der New York Times habe angerufen und „die von dr‘ London Times, die wollten des au‘ wissen, was jetzt in Bayern los is‘.“

Ja, was is‘ jetz‘ mi den Bavaren? Wenn die Bayernpartei in diesen Tagen auf ihrer Facebook-Seite Sätze postet wie: „Wir von der Bayernpartei wünschen unseren schottischen Freunden von Herzen einen Sieg beim Referendum! Ein „Yes“ würde auch auf andere Regionen in Europa positiv wirken“, dann lesen das mittlerweile mehr als 20 000 Menschen, sagt Weber. Allein in der vergangenen Woche habe er 15 neue Mitglieder in der Partei begrüßt. In den vergangenen drei Jahren hätte sich die Mitgliederzahl verdoppelt. Derzeit sind rund 5000 Bayernfreunde Mitglied. Sollten sich die Abspalter in Schottland am Donnerstag durchsetzen, könnte sich das noch verstärken.

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