Nach Skandal bei Tour de France
Koalitionspolitiker wollen Dopingsünder härter bestrafen

Die Tour de France wäre beinahe einem Dopingskandal zum Opfer gefallen, in dessen Zusammenhang auch der Name Jan Ullrich fällt. Doch Polizei und Staatsanwaltschaft in den betroffenen Nachbarländern griffen hart durch. Den deutschen Ermittlern wären im gleichen Fall die Hände gebunden gewesen. Deshalb gibt es nun Bestrebungen, die Gesetze zu ändern.

HB BERLIN. Die SPD-Bundestagsfraktion und CSU-Chef Edmund Stoiber sprachen sich am Wochenende für ein Gesetz zur wirksameren Bekämpfung von Aufputschmitteln im Sport aus. Die Sportverbände könnten Doping ohne Hilfe staatlicher Ermittler nicht in den Griff bekommen, lautete die Begründung.

Derzeit können ertappte Sportler für mehrere Monate oder Jahre gesperrt werden. Eine gerichtliche Verurteilung ist in Deutschland – anders als in verschiedenen anderen europäischen Staaten – nicht oder nur schwer möglich, selbst wenn es sich um die Hintermänner von systematischem Doping handelt. Die Möglichkeiten durch das Arzneimittel- und Betäubungsmittelgesetz gelten im Anti-Doping-Kampf als äußerst beschränkt.

„Wir brauchen in Deutschland eine Null-Toleranz-Politik gegen Doping wie die anderen großen Sportnationen auch“, sagte Stoiber der „Bild am Sonntag“. Der bayerische Ministerpräsident kritisierte, dass der Gebrauch und Besitz von Dopingmitteln in der Bundesrepublik nicht strafbar sei. Frankreich, Italien oder Spanien dagegen hätten entsprechende Gesetze. „Die Folge ist: Dort wird gegen Doping hart durchgegriffen.“ Darüber müsse nun hier zu Lande diskutiert werden.

Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dagmar Freitag, unterstützte Stoibers Vorstoß und begrüßte, dass endlich Bewegung in eine seit Jahren festgefahrene Diskussion komme. So unappetitlich „die Enthüllungen über das kriminelle Doping-Netzwerk“ in Spanien auch seien, so lieferten sie doch gute Argumente für ein Anti-Doping-Gesetz. „Der Sport allein war und ist mit der Bekämpfung des Dopings überfordert.“ Beim Vorgehen der spanischen Polizei sei die Überlegenheit staatlicher Ermittlungsmethoden deutlich geworden.

Jan Ullrich gefeuert

Radprofi Jan Ullrich war wie zahlreiche andere Fahrer kurz vor Beginn der diesjährigen Tour de France von der Teilnahme ausgeschlossen worden. Sie gerieten im Zuge der Ermittlungen zum spanischen Doping-Skandal in Verdacht. Ullrich hat die Vorwürfe in einer ersten Reaktion zurückgewiesen, schweigt aber seither dazu. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 nimmt für sich die Unschuldsvermutung in Anspruch. Einen Bluttest, mit dem er die Anschuldigungen entkräften könnte, lehnt er Presseberichten zufolge bislang ab. Sein Arbeitgeber, das Team T-Mobile, hatte Ullrich deshalb kürzlich entlassen. Dagegen will der Radprofi, dessen Karriere als so gut wie beendet gilt, vor Gericht ziehen.

Auch der Präsident des Bundes deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, forderte schärfere Gesetze gegen Doping mit Konsequenzen für Sportler, Hintermänner und Mediziner. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker sagte im Deutschlandradio Kultur, das Zerschlagen von Doping-Netzwerken gelinge nur, wenn Beweise durch Filmaufnahmen, SMS- und Telefonüberwachungen gesammelt werden dürften. Das Arzneimittel- und Betäubungsmittelgesetz reiche nicht aus. Scharping verlangte harte sportrechtliche und wirtschaftliche Sanktionen bei Doping im Hochleistungssport. Er kündigte eine Initiative unter Beteiligung von Sportverbänden, Mannschaftsleitungen, Veranstaltern und Sponsoren an. Sie würden gemeinsam in zwei bis drei Monaten einen Kodex mit Anti-Doping-Maßnahmen erarbeiten.

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